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Schon jede 6. Frau betroffen: Hast du auch eine überaktive Blase?
Schon jede 6. Frau betroffen: Hast du auch eine überaktive Blase?

Quelle: Pexels

Gesundheit

Schon jede 6. Frau betroffen: Hast du auch eine überaktive Blase?

Sie ist kaum zu kontrollieren: Die überaktive Blase. Manche müssen bis zu 30 (!) Mal am Tag. Andere finden nachts keine Ruhe, weil die Blase sich mehrmals meldet. Doch jetzt kann diese spezielle Blasenschwäche wirkungsvoll und sanft behandelt werden. Und zwar durch einen bestimmten Wirkstoff – lies hier, welcher das ist und welche neuen Verfahren es inzwischen gibt.

Wie macht sich die überaktive Blase bemerkbar?

Das Hauptproblem der so genannten Dranginkontinenz ist die Übererregbarkeit der Blasenwandmuskeln. Betroffene Frauen haben das Gefühl die Blase entleeren zu müssen, selbst wenn die Blase noch gar nicht gefüllt ist.

Manche müssen pausenlos am Tag zur Toilette?

Es gibt Frauen, die müssen bis zu 30 Mal am Tag. Bei ihnen zieht sich der Muskel schon in dem Augenblick zusammen, wo erst ein paar Tropfen die Blase erreichen und signalisiert ihnen, geh auf die Toilette.

Ein Fehlalarm also?

Richtig. Normalerweise ist der Blasenwandmuskel entspannt und verkürzt sich erst, wenn die Blase voll ist. Bei einer überaktiven Blase reagiert er schon bei geringer Blasenfüllung.

Welche Folgen hat das für die Frauen?

Bei manchen tritt ein so genannter imperativer Harndrang auf. Dass heißt, der Drang zum Urinlassen tritt überfallartig und ganz plötzlich auf. Nur mit Mühe schaffen es die Betroffenen zur Toilette. Bei ihnen spricht man auch von Dranginkontinenz.

Was ist das ganz genau?

Bei diesen Patientinnen geht der plötzliche Harndrang so weit, dass der Urin unkontrolliert und unfreiwillig abgehen kann. Sie können den Urin einfach nicht mehr halten.

Was können Betroffene denn dagegen tun?

Die Ursache muss eindeutig vom Arzt abgeklärt werden. Vor allem bei der Dranginkontinenz geht es zunächst darum, fassbare Ursachen zu beseitigen, z.B. eine akute Blasen-Entzündung. Auch Blasensteine können zu einer Überempfindlichkeit der Blasenmuskulatur führen. Bleiben aber die Beschwerden, kommen Blasentraining oder die neue medikamentöse Behandlung mit Solifenacin in Frage, welche den Blasenmuskel beruhigt.

Was wird da gemacht?

Das Zusammenspiel von Schließ- und Blasenmuskel wird durch die Gabe von Solifenacin optimiert, um die Patientin wieder dauerhaft „trocken“ zu machen.

Hilft zusätzlich auch Beckenboden-Gymnastik?

Natürlich kann man mit einem trainierten Beckenboden den starken Harndrang besser kontrollieren. Aber in erster Linie muss der Blasenmuskel wieder normal regieren.

Können Kräutertees der gereizten Blase helfen?

Pflanzliche Medikamente (z.B. Kürbissamenöl) können zwar die Beschwerden lindern. Aber das Problem ist damit nicht behoben. Nur eine Verringerung der Blasenmuskelaktivität hilft wirklich.

Muss man solche Medikamente dann ständig einnehmen?

Bei einigen Frauen sind die Drangbeschwerden vorübergehend, die mit einer periodischen Einnahme gut zu behandeln sind. Es gibt aber viele Fälle, in denen die medikamentöse Behandlung dauerhaft sein muss.

Wenn die Blase ständig tröpfelt – weitere neue Therapien bei Blasenschwäche

Das Harnröhrenbändchen ist heute Standardtherapie. Über drei kleine Einschnitte (also kein Bauchschnitt) wird es eingelegt, es macht die Blase quasi wieder „dicht“. Es befreit fast 90 Prozent der Frauen dauerhaft von der Inkontinenz. Bei den übrigen 10 Prozent wird eine Blasenanhebung notwendig.

Implantation eines künstlichen Blasenschließmuskels – wenn es mit der Harn-Kontrolle gar nicht mehr klappt: Allerdings ist das ein sehr aufwändiger Eingriff, der nur in erfahrenen Kliniken vorgenommen werden sollte. Um die Harnröhre wird ein künstlicher Schließmuskel gelegt, der mittels eines von außen zu tastenden Entleerungsventils eine kontrollierte Blasenfunktion ohne Urinverlust ermöglicht.

Ersatzblase zur Urinentleerung – wenn die Blase entfernt werden musste. In allen Fällen, in denen die Blase wegen eines Tumors oder anderer Erkrankungen entfernt werden muss, ist eine Ersatzblase zur Urinentleerung notwendig. Sie wird in der Regel durch einen aus dem Darm entnommenen Abschnitt oder biokompatiblem Material nachgebildet und an die Harnröhre angeschlossen. Die Patientin hat dann wieder die Möglichkeit, die Blasenentleerung bewusst zu kontrollieren.


ist Diplom-Journalistin und hat ein Staatsexamen in Psychologie. Die alleinerziehende Mutter war viele Jahre Mitglied der Chefredaktion großer deutscher Frauenzeitschriften. Derzeit ist die überzeugte Vegetarierin, freie Autorin und findet die besten Ideen auf Spaziergängen mit ihrem Hund Quadriga.

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