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Ist dein Kind hochsensibel? So erkennst du es und ...

Ist dein Kind hochsensibel? So erkennst du es und gehst damit richtig um

Dein Kind ist auffallend schüchtern in fremder Umgebung oder mit fremden Menschen, aber zu Hause dreht es aber so richtig auf? Dein Kind kann manchmal gar nicht „runterfahren“, wirkt nach besonderen Aktivitäten total überreizt, macht sich Gedanken über Gott und die Welt und verwickelt dich gern in philosophische Gespräche?

Dein Kind spürt ganz genau, wenn es jemandem schlecht geht es findet es nicht gut, wenn spontan der Tagesablauf geändert wird? Dein Kind ist sehr zurückhaltend und hat Schwierigkeiten soziale Kontakte zu knüpfen? Es ist perfektionistisch und kann mit Misserfolg nur schlecht umgehen? Dein Kind kann unter Druck sein Potential nicht zeigen und es scheint einfach anders zu sein, viel empfindlicher, viel dünnhäutiger und passt nicht so richtig in diese „raue“ Welt? Emotionen und Sinneseindrücke verarbeitet es entweder sehr für sich, oder lässt sie direkt raus? Dann könnte dein Kind eine hochsensible Veranlagung haben!

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Hochsensibilität ist in aller Munde und immer mehr Mütter werden auf diesen Begriff aufmerksam. Wie Hochsensibilität definiert wird, woran du sie als Mutter bei deinem Kind (und vielleicht auch bei dir selbst) erkennen kannst und was das für euren Alltag bedeuten könnte, erfährst du in diesem Beitrag.

Hochsensibilität – Was ist das?

Hochsensibilität ist ein Begriff, der von Elaine N. Aron geprägt wurde. Sie geht davon aus, dass etwa 15 Prozent der Menschen eine hochsensible Veranlagung besitzen und dass diese Veranlagung ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal ist. Das bedeutet, Hochsensibilität wird vererbt.

Hochsensibel zu sein bedeutet, eine andere Form der Reizverarbeitung zu haben. Das Nervensystem arbeitet anders. Reize werden intensiver wahrgenommen und können schlechter gefiltert werden. Das hat den Vorteil einer sehr detaillierten Wahrnehmung. Führt jedoch dazu, dass Betroffene deutlich schneller überreizt und folglich schneller erschöpft sind. (Vgl. Hensel, 2014, S.26)

Wie äußerst sich eine hochsensible Veranlagung bei Kindern?

Hochsensible Kinder (HSK) sind ein bisschen anders. Aufgrund ihrer Art der Wahrnehmung und ihren sehr feinen Antennen für emotionale Belange von sich selbst, oder von anderen. Ein Streit mit einem Freund kann ein Kind tief erschüttern und tagelang beschäftigen. Kratzige Kleidung kann als fast unerträglich auf der Haut wahrgenommen werden, laute Geräuschen sind unerträglich und bei ungeplanten Veränderungen geht die Welt auch manchmal unter.

Es ist ein bisschen, als würden die Filter im System von Hochsensiblen fehlen. Es fällt solchen Kindern viel schwerer, unwichtige Reize auszublenden bzw. es ist ihnen nicht möglich. Das führt dazu, dass sie oft mehr Zeit brauchen, sowohl zum Verarbeiten von Informationen, als auch, um sich von Eindrücken zu erholen. Gleichzeitig sind sie aufgrund ihrer besonderen Wahrnehmung in der Lage, sehr schnell Zusammenhänge zu erkennen und sie können ein gutes Gefühl für ihre eigene Intuition entwickeln.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass hochsensible Kinder durch ihre Art der Reizverarbeitung eingeschränkt und langsam wirken können und sie gleichzeitig eine große Stärke durch ihre hohe Auffassungsgabe und ihr natürliches, empathisches Wissen besitzen.

Einige Merkmale hochsensibler Kinder

  • Geräusche, Gerüche werden intensiv wahrgenommen
  • beobachten gerne und genau
  • sehr feinfühlig, empathisch
  • oft harmoniebedürftig
  • hoher Gerechtigkeitssinn
  • reiches Innenleben (sie machen sich viele Gedanken)
  • intensives Wahrnehmen von körperlichen Zuständen
  • große Hilfsbereitschaft
  • Perfektionismus
  • Veränderungen/Übergänge machen ihnen Angst
  • brauchen oft mehr Zeit

(Vgl. Marletta-Hart, 2011 S.192-192)

Es gibt im Internet viele Tests, die dir als Mutter eine erste Einschätzung ermöglichen.

Da Hochsensibilität keine Krankheit ist, gibt es auch keine Möglichkeit der Diagnostik. Es gilt, das eigene Kind viel zu beobachten und sich bei einem Verdacht einer hochsensiblen Veranlagung zu informieren. Viele Mütter haben während dieser Phase ein AHA- Erlebnis, es fühlt sich an, als hättest du endlich das Puzzleteil gefunden, nachdem du die ganze Zeit gesucht hast! Und da davon ausgegangen wird, dass Hochsensibilität vererbt wird, lohnt sich natürlich auch ein Blick auf dich selbst, oder deinen Partner.

Ich möchte betonen, dass eine hochsensible Veranlagung überhaupt nichts Schlimmes ist! Deswegen musst du als Mutter nicht zum Therapeuten gehen, oder zur Beratungsstelle (es sei denn dein Kind leidet total, oder ist in seiner Entwicklung gehemmt etc.). Es ist EIN Merkmal deines Kindes, was sein Verhalten und sein Temperament beeinflusst und womit sowohl das Kind, als auch die Familie lernen muss umzugehen. Das größte Problem, was diese Kinder haben: Sie werden nicht verstanden. Der Kindergarten, die Schule, die Großeltern… alle versuchen diese Kinder in ihre Schubladen zu stecken und sie sollen so funktionieren, wie die anderen „normalen“ Kindern auch. Und das kann nicht funktionieren!

Hochsensible Kinder stehen vor anderen Herausforderungen und das müssen wir uns als Erwachsene bewusstmachen und sie unterstützen. Sie sind schneller überreizt zum Beispiel durch Lautstärke im Kindergarten und wenn sie keine Strategien haben, oder Erwachsene, die ihnen helfen welche zu entwickeln, wird es für sie schwierig. Entweder sie ziehen sich zurück, entwickeln ein inneres Unbehagen in die Kita zu gehen, weil die Geräusche dort „weh tun können“, oder sie finden nicht mehr zur Ruhe und ihre Überreizung äußert sich in impulsivem Verhalten, Wutausbrüchen, oder starkem Weinen. Manchmal erst dann, wenn es abgeholt wird, da es sich in nicht häuslicher Umgebung sehr gut anpassen kann.

Genau aus diesem Grund ist es so wichtig, zu erkennen, ob dein Kind hochsensibel ist.

Neben den vielen Tests im Internet hat Elaine N. Aron vier Indikatoren benannt, woran man eine hochsensible Veranlagung erkennen kann:

  1. Hohe Empfindsamkeit der Sinne
  2. Tiefes, intensives Wahrnehmen und Verarbeiten
  3. Intensive Emotionen
  4. Überreizung

Treffen alle vier Punkte auf dein Kind zu, kannst du dir relativ sicher sein, dass dein Kind hochsensibel ist. Wenn du dich näher mit den vier Indikatoren beschäftigen möchtest, kann ich dir die folgende Homepage empfehlen: feinimsein.de

 

Was brauchen hochsensible Kinder?

Das wichtigste, was ein hochsensibles Kind braucht, sind Erwachsene, die es so lieben, wie es ist. Das klingt ziemlich platt, aber es ist für viele Mütter eine große Herausforderung, wenn sie feststellen, dass ihr Kind irgendwie anders ist und sich nicht so verhält wie Gleichaltrige. Viele Mütter suchen nach Lösungen, wie das eigene Kind es schaffen kann „normal zu funktionieren“ und viele Mütter stellen sich und ihre Erziehung maßgeblich in Frage und entwickeln dadurch, große Unsicherheiten und Selbstzweifel. Oft begleitet von der Meinung der Umwelt, wie ein Kind „zu sein hat“. Und natürlich spielen Ängste, um die Zukunft des eigenen Kindes eine große Rolle.

Es ist wichtig, dass du dir bewusstmachst, dass Hochsensibilität nichts Schlimmes ist und es auch schon immer hochsensible Menschen gab und sie für die Gesellschaft wichtig sind! Als Erwachsene sind wir dazu aufgefordert, individuelle Lösungen zu finden und diesen Kindern zu gestatten, ihre eigenen Wege zu gehen und ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Was, neben bei bemerkt, für jedes Kind wichtig ist. Wir haben die Aufgabe, uns auf sie einzulassen und damit auch auf ihre Art der Wahrnehmung. Und als Erzieherin kann ich sagen, dass es nicht nur Spaß macht, sondern auch unglaublich spannend und bereichernd sein kann.

Ganz konkret kannst du als Mutter auf folgende Punkte achten:

Ermutige dein Kind!

Auch wenn es sich oft unsicher ist , zum Beispiel Angst hat, etwas falsch zu machen, ist es wichtig, dass diese Kinder Erfolgserlebnisse haben, aus ihrer Komfortzone herauskommen und neue Erfahrungen machen. Als Mutter kannst du deinem Kind Mut zusprechen, es begleiten und vor allem auch selbst an dein Kind glauben!

Begleite Veränderungen und Übergänge!

Für viele HSK sind Veränderungen richtig schwer zu meistern. Als Mutter kannst du dein Kind auf eine Veränderung vorbereiten, indem du sie rechtzeitig ankündigst, oder dein Kind in einem Gespräch daran beteiligst.

Sorge für Ruhe und Entspannung

Durch ihre Reizverarbeitung sind hochsensible Kinder schneller überreizt und brauchen Zeiten im Tagesablauf, in denen sie zur Ruhe kommen können, damit sich ihr innerer Stress abbauen kann.

Sei authentisch

HSK haben so feine Antennen, sie spüren in der Regel, wenn du lügst, oder so tust, als ob alles in Ordnung wäre und dabei bist du traurig. Damit sie deine Emotionen nicht auf sich beziehen, hilft es ihnen, wenn du kindgerecht mit ihnen darüber sprichst. Es reicht aus, zu erklären, dass du gerade traurig bist, weil du dich mit einer Freundin gestritten hast, aber du wirst sie morgen nochmal anrufen, um mit ihr zu sprechen. Dann weiß dein Kind, dass deine Gefühle nichts mit seinem Verhalten zu tun haben und gleichzeitig bist du ein aufrichtiges Vorbild im Umgang mit deinen Gefühlen. Und das ist für hochsensible Kinder total wichtig!

Schaffe Struktur/Rituale

Viele hochsensible Kinder mögen Veränderungen nicht. Dafür wissen sie gerne, was sie erwartet. Es gilt individuell herauszufinden, wie viel Struktur für dein Kind wichtig ist und es ist selbstverständlich zu beachten, dass das Kind auch eine gewisse Flexibilität nicht verlernt. Rituale bieten Sicherheit und oft auch Beziehungszeit (zum Beispiel ein Buch vor dem Einschlafen lesen), auf das sich das Kind verlassen kann und ihm somit Sicherheit vermittelt.

Wenn du dich als Mutter auf den Weg machst, dein Kind wirklich verstehen zu wollen und wenn du lernst, seine Einzigartigkeit zu schätzen und es in seinem eigenen Sein zu bestärken, dann legst du damit die wichtigste Basis für eine gesunde, selbstbewusste Entwicklung deines Kindes.

Kinder sind so bunt wie die Welt! Lassen wir uns von ihnen verzaubern.

Wer jetzt mehr über Hochsensibilität erfahren möchte, dem empfehle ich das Standartwerk von Elaine Aron, der Pionierin in diesem Bereich. „Das hochsensible Kind – Wie Sie auf die besonderen Schwächen und Bedürfnisse Ihres Kindes eingehen“.


Verena arbeitete zehn Jahre als Erzieherin und nimmt sich gerade eine Auszeit, um an ihrem Ratgeber zum Thema „Hochsensible Kinder im Kindergarten“ zu schreiben, macht eine Coachingausbildung und schreibt auf ihrem Blog „Bunte Kinder“. Die Bloggerin und Autorin lebt im sonnigen Freiburg im Schwarzwald. Website | Facebook | Instagram | Pinterest

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  2. Verena

    11 Juli

    Ich kenne es aus zwei Sichten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Tochter hochsensibel ist. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es auch bin. Als Erzieherin erlebe ich oft, dass diese Kinder im Kindergarten regelrecht untergehen. Ein Ratgeber hierzu wäre wirklich super!

  3. Madleen

    22 Oktober

    Ich bin mir auch ziemlich sicher das mein Kind hochsensibel ist und ich denke ich bin es auch. Es ist so schön hier mal etwas darüber zu lesen. Früher wusste ich gar nicht dass es sowas gibt bzw. dass es das ist, was mich von anderen unterscheidet.

  4. Romymammi

    10 Dezember

    Ich muss mich wegen dieser, meiner „Empfindlichkeit“ schon mein ganzes Leben damit auseinandersetzen.
    Nach diesem zufällig entdeckten Artikel komme ich nun selbst drauf, dass weder ich etwas dafür kann, dass ich so sensibel bin, noch mein Kind. Das wird mir gerade klar und verhilft mir nun zu einem verständnisvollerem Umgang und pflanzt mir eine gut wachsende Erklärungsbasis für mit Unverständnis gesegneten anderen.
    Gut zu wissen!

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