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Bandscheibenvorfall? Die Ursachen und die neuesten Therapien
Bandscheibenvorfall? Die Ursachen und die neuesten Therapien

Quelle: Pexels

Gesundheit

Bandscheibenvorfall? Die Ursachen und die neuesten Therapien

Jede zweite Frau leidet unter Rückenschmerzen. Jährlich kommt es bei über 500.000 von uns sogar zu einem schmerzhaften Bandscheibenvorfall. Lies hier alles über die neue Volkskrankheit und die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten und Therapien

 Warum haben so viele  Frauen Rücken-Probleme? Vor allem deshalb, weil sie sich zu wenig bewegen. Ob im Büro, Bus, Auto, abends auf dem Sofa – die meiste Zeit verbringen wir sitzend. Das führt zur Erschlaffung der Rückenmuskulatur und oft auch zu Übergewicht, einem weiteren Grund für Rückenprobleme.

 Wann kommt es zu einem Bandscheibenvorfall? Die Bandscheiben wirken wie Stoßdämpfer zwischen den Wirbelkörpern des Rückgrats. Sie bestehen aus einem Faserring und einem weichem Gallertkern. Durch eine Öffnung zwischen jeweils zwei Wirbeln verlässt auf beiden Seiten eine Nervenwurzel den Rückenmarkskanal. Tritt der Gallertkern aus, kommt es zu heftigen Schmerzen und nicht selten zu Lähmungserscheinungen.

Woran merke ich einen Bandscheibenvorfall? An den höllischen Schmerzen, die vom Rücken ausgehend in Arme und Beine ziehen. Der dickste Nerv des Körpers – der Ischiasnerv – reagiert außer mit Schmerz auch mit Kribbeln, Taubheitsgefühl oder leichten Lähmungen in den Beinen.

Warum haben so viele Frauen Probleme mit den Bandscheiben? Sie haben immer öfter nur sitzende Tätigkeiten und auch immer häufiger Übergewicht. Zudem werden mit der gestiegenen Lebenserwartung und den einher gehenden Alterungsprozessen im Körper solche Probleme häufiger.

Kann der Verschleiß auch genetisch bedingt sein? „Durchaus. Liegen Rücken-probleme sozusagen in der Familie, ist es besonders wichtig, schon in frühen Jahren eine gute Rückenmuskulatur aufzubauen.

Was verursacht einen Bandscheibenvorfall? Der Gallertkern der Bandscheibe besteht aus einer elastischen Masse (Glykosaminoglykanen), die auch Wasser bindet. Mit zunehmendem Alter verändern sich diese Elemente, werden durch Dermatansulfat ersetzt, das. kaum noch Wasser binden kann. Der Gallertkern schrumpft und verliert seine Pufferfunktion. Das kann auch schon dann passieren, wenn Frauen über längere Zeit zu wenig trinken.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen? Wenn die Rückenschmerzen trotz Selbsthilfemaßnahmen wie Schmerzmittel, Wärme oder Vermeiden vom Heben schwerer Gegenstände länger als drei Tage anhalten, ist der Besuch beim Orthopäden ratsam. Zudem auch dann, wenn Rückenschmerzen oft wiederkehren. Dann gilt es, Maßnahmen zu ergreifen, bevor es zum Bandscheibenvorfall kommt.

Welche Untersuchungen macht der Arzt? Eine umfassende Untersuchung ist wichtig. Danach weiß der Arzt meist schon, ob es ein Vorfall ist. Eine Computer-Tomografie (CT) oder eine Kernspin-Tomografie (MRT) bringen endgültige Gewissheit.

Wie wird behandelt? Wenn keine Lähmung (z.B. der Blase) besteht, wird zunächst sanft, also ohne Operation, behandelt. Ist ein chirurgischer Eingriff notwendig, wird anfangs das Bandscheibengewebe ausgeräumt. Meist ist ein zweiter Eingriff erforderlich, um gebildetes Narbengewebe zu entfernen. Der Erfolg liegt bei 75 Prozent.

Wie schnell bin ich danach wieder fit? Einige Tage nach dem Eingriff. Aber nur, wenn Krankengymnastik und Rückenschule den Erfolg des Eingriffs sichern. Bei sitzender Tätigkeit ist danach ein ergonomischer Stuhl wichtig.

Bin ich nach einer OP für immer geheilt? Bei jüngeren Menschen bestehen gute Chancen, dass sich der Bandscheibenvorfall vollständig zurückbildet. Aber: Die Gefahr eines erneuten Vorfalls ist grundsätzlich höher. Denn die Verschleißerscheinungen bestehen ja weiter.

Die neuen OP-Methoden

Periradikuläre Schmerztherapie: Eine dünne Kanüle wird unter Computer-Tomographie-Kontrolle (CT) an die Nervenwurzel geführt, Schmerzmittel sowie Cortison gespritzt. Wird von den Kassen gezahlt.

Epidurale Schmerztherapie:  Wieder wird unter CT-Kontrolle eine Kanüle in den Raum der Nervenhülle eingeführt. Ein Gemisch aus Cortison und Schmerzmittel wird als „Vorrat“ injiziert. Wird von den Kassen gezahlt.

Perkutane Nukleotomie: Eine Kanüle wird unter CT-Kontrolle bis in die Bandscheibe geschoben und mit einem Sauggerät der Gallertkern teilweise abgesaugt. Wird von den Kassen gezahlt.

Strom- oder Lasertherapie: Bei diesem neuen Verfahren wird der Bandscheibenkern „verkocht“. Dafür wird eine dünne Elektrode zum Problemherd vorgeschoben. Wird nicht von gesetzlichen Kassen bezahlt.

Die wichtigsten Alarm-Zeichen für einen Bandscheibenvorfall

Das können Symptome für einen Bandscheibenvollfall sein:

+ Du hast Rückenschmerzen, die ins Bein oder den Arm ausstrahlen.

+ Der Rückenschmerz wird bei Husten oder Niesen schlimmer.

+ Die Rückenschmerzen gehen mit Taubheitsgefühlen in Beinen oder Armen einher.

+ Zu den Rückenschmerzen kommen plötzliche Blasenschwäche oder Verdauungsprobleme.

+ Neben den Rückenschmerzen hast du ein Taubheitsgefühl im Genitalbereich.

+ Der Rücken schmerzt,  du spürst ein Ziehen in der Leistengegend.

9 Tipps: Wirksam vorbeugen – so geht’s

  • Sitze nach Möglichkeit gerade. Dabei die Beine locker auf den Boden stellen.
  • Meide tiefe und weiche Sitzmöbel. Empfehlenswert ist ein keilförmiges Sitzkissen.
  • Oft gebrauchte Gegenstände (z.B. in der Küche) sollten sich in gut erreichbarer Höhe befinden.
  • Trage Lasten (z.B. Einkäufe) gleichmäßig auf beide Körperhälften verteilt.
  • Schwere Gegenstände nie mit gebeugter Wirbelsäule heben. Gehe dazu mit geradem Rücken leicht in die Hocke.
  • Beim Ausruhen die Beine anwinkeln, z.B. auf einen Hocker legen.
  • Beim Schlafen darf die Wirbelsäule nicht abknicken. Deshalb für eine gute Matratze, einen Lattenrost und ggf. orthopädisches Schlafkissen sorgen.
  • Bevorzuge rückenschonende Sportarten wie Rückenschwimmen, Walken, Skilanglauf, Inlineskaten.
  • Erwäge den Besuch einer Rückenschule.

Gesunder Rücken bei der Arbeit

Arbeit im Sitzen: Reguliere die Stuhlhöhe so weit nach unten, dass die Füße locker auf dem Boden stehen. Der Computerbildschirm sollte sich auf Höhe des Gesichts befinden.

Arbeit im Stehen: Der Arbeitsplatz sollte so hoch sein, dass du eine aufrechte Körperhaltung einnehmen und beibehalten kannst.

Kurzurlaub für den Rücken

Gönne deinem Rücken ab und zu eine Entlastungs-Pause. Dazu legst du dich flach auf den Rücken, Schulterblätter bewusst auf den Boden drücken  und die Beine locker und parallel zueinander im rechten Winkel auf einen Stuhl oder Hocker hochlegen. Für ca. 5 Minuten so entspannen.


ist Diplom-Journalistin und hat ein Staatsexamen in Psychologie. Die alleinerziehende Mutter war viele Jahre Mitglied der Chefredaktion großer deutscher Frauenzeitschriften. Derzeit ist die überzeugte Vegetarierin, freie Autorin und findet die besten Ideen auf Spaziergängen mit ihrem Hund Quadriga.

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