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Erst 30 Jahre und schon Rheuma? Wie du gegensteuern und vorbeugen kannst
Erst 30 Jahre und schon Rheuma? Wie du gegensteuern und vorbeugen kannst

Quelle: Pexels

. - Gesundheit

Erst 30 Jahre und schon Rheuma? Wie du gegensteuern und vorbeugen kannst

Jede 10. Deutsche leidet unter Gelenkschmerzen. Etwa die Hälfte davon ist sogar unter 35 Jahren. Die Entzündung der Gelenke, im Volksmund auch Rheuma genannt, ist also keinesfalls nur eine Seniorenkrankheit. Neben speziellen Medikamenten hilft bei rheumatischen Beschwerden eine gezielte Ernährung, die Symptome deutlich zu verringern. Was du selbst dagegen tun kannst, lies hier

Der Begriff Rheuma kommt aus dem Griechischen und beschreibt treffender Weise einen reißenden, ziehenden Schmerz. Meist geht er einher mit Einschränkungen der Beweglichkeit. Rheuma tritt in vielen Formen auf. Auf häufigsten sind die Gelenke und die Wirbelsäule betroffen. Man spricht dann von Gelenkrheumatismus.

Wie kommt es zu Rheuma? Die genauen Ursachen sind nicht völlig klar. Zudem ist kaum ein anderes Leiden so vielschichtig. Denn unter den Begriff Rheuma fallen etwa 400 einzelne Erkrankungen. Heute weiß man aber, dass neben Stoffwechselstörungen und Infektionen vor allem so genannte Autoimmunreaktionen eine Arthritis (entzündliches Gelenkrheuma) verursachen kann. Aber auch genetische Veranlagungen spielen eine große Rolle. Rheuma kann man leider „erben“.

Wie macht sich Rheuma bemerkbar? Neben den Schmerzen kann es zu Rötungen und fieberhafter Hitze an den Gelenken kommen. Oft kann man Rheuma auch äußerlich erkennen. Bei Gelenkrheuma verdicken sich z.B. die Finger-Gelenke. Bei Morbus Bechterew kommt es zu einer Verkrümmung der Wirbelsäule. Frühformen sind dagegen äußerlich kaum zu sehen. Wer also längere Zeit und ohne erkennbaren Grund Gelenkschmerzen hat, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Die Schmerzen können nämlich ein erster Hinweis auf Gelenk-Rheuma oder Rheuma der inneren Organe sein.

Kann Rheuma geheilt werden? Wenn man die genauen Ursachen des gestörten Stoffwechsels kennt, durchaus. Und bei anderen Rheumaformen gibt es inzwischen so gute Behandlungsmöglichkeiten, dass man fast von einer Heilung sprechen kann. Allerdings müssen meist Medikamente eingenommen werden. Und zwar ein Leben lang. Doch Betroffene können aufatmen. Denn neu entwickelte Medikamente (z.B. so genannte Coxibe) bekämpfen zwar sehr effektiv den Schmerz und die Entzündungen. Doch sie beeinträchtigen kaum noch den Magen und Darm. Das war bei den herkömmlichen Antirheumatika (NSAR für Nicht-Steriodales Antirheumatikum ) bislang ein großes Problem.

Was kann man selbst tun? Häufig stellt sich die Frage: Kälte oder Wärme? Grundsätzlich sollten akut-entzündliche Formen mit Schwellung und Überwärmung des Gelenks eher gekühlt werden. Bei chronischen Formen führen dagegen Wärmeanwendungen zu einer Linderung, z.B. heiße Rheumabäder (ab 35°C) und Rotlicht (je heißer, desto besser). Oder auch wärmewirksame Rheumasalben, z. B. mit Rosmarin, Bienengift, spanischem Pfeffer oder ätherischen Ölen. Die Wirkstoffe erweitern die Blutgefäße und erwärmen die Problemzone.

Auch bestimmte Körperhaltungen lindern die Beschwerden:

+ Beim Sitzen, Stehen und Laufen immer eine gerade Haltung einnehmen, das entlastet die Wirbelsäule und die Gelenke.

+ Beim Sitzen sollten die gebeugten Gelenke (Knie, Hüfte, Ellenbogen) einen 90°-Winkel zueinander bilden.

+ Beim Schlafen sollten eine feste Unterlage mit flexibler Matratze gewählt werden.

3 Tipps: Finger weg von…

…Arachidonsäure: Sie gilt als „Rheumagift“, denn sie befördert die entzündlichen Prozesse im Körper. Sie ist zwar in allen tierischen Lebensmitteln zu finden, aber besonders hoch konzentriert in Schweineschmalz, Schweinefleisch und Würstchen, aber auch in Rindfleisch (z.B. Gulasch) oder Weichkäsesorten Die Empfehlung liegt bei weniger als 560 mg/Woche oder 80 mg/Tag Arachidonsäure.
…Eigelb: Denn schon ein einziges Eidotter enthält ca. 80 mg Arachidonsäure. Vorsicht auch bei „versteckten“ Eiern in Kuchen oder Teigwaren. Die Empfehlung: Nicht mehr als zwei Eier pro Woche!

…Alkohol, Zigaretten und Kaffee: Weil Alkohol, Nikotin und Koffein Nervengifte sind. Amerikanische Studien ergaben beispielsweise, dass Rauchen u.a. bei Frauen das Risiko für eine chronische Polyarthritis erhöht. Auch der Genuss von schwarzem Tee sollte eingeschränkt werden.

7 Tipps: Hier bitte zugreifen

Pflanzenöle: Denn vor allem Raps-, Lein- und Walnussöl enthalten reichlich Omega-3-Fettsäuren. Sie hemmen Entzündungen. Zudem sind sie reich an Vitamin E.

Kaltwasserfisch: Fischarten wie Hering, Lachs, Sardine oder Makrele enthalten ebenfalls viele Omega-3-Fettsäuren. Am besten zwei Mal pro Woche 150 g bis 200 g essen. Fisch enthält zwar auch Arachidonsäure. Doch die in den Omega-3-Fettsäuren vorhandene Eicosapentaensäure (EPA) ist ein Gegenspieler der Arachidonsäure und wirkt entzündungshemmend.

Obst und Gemüse: Gerade Menschen mit Rheumatoider Arthritis sollten pro Tag fünf Portionen Obst und Gemüse essen (insgesamt ca. 700 g, davon 400 g Gemüse und 300 g Obst). Es zählen auch Obst- und Gemüsesäfte. Der Grund: Die andauernden Entzündungen sind für den Körper Stress, auf den er mit einer vermehrten Freisetzung von schädlichen Sauerstoff-Radikalen (freie Radikale) reagiert. Um sie wieder zu neutralisieren, braucht der Körper vor allem Vitamin C und E. Die Tagesdosis sollte daher ca. 100 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E betragen.

Fettarme Milchprodukte: Fettarme Milch, Joghurt oder Quark liefern viel Kalzium. Rheumatiker sollten zudem kalziumreiches Mineralwasser trinken. Der Grund: Durch die eingeschränkte Beweglichkeit erkranken Rheumatiker deutlich häufiger an Osteoporose. Mit ausreichend Kalzium und Vitamin D kann man aber gegensteuern. Zudem werden damit auch die Gelenke gestärkt. Als Tagesdosis werden minimal 1000 mg Calcium und 400 I.E. (internationalen Einheiten) Vitamin D empfohlen. Trinken Sie täglich ½ L fettarme Milch. Oder essen Sie 1 große Portion Quark, 1 Becher fettarmen Joghurt und 2 große Scheiben mageren Käse.

Vollkornprodukte: Ob Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Naturreis oder auch Kartoffeln – sie machen nicht nur satt, sondern halten die Verdauung in Schwung. Zudem helfen diese kohlenhydratreichen Lebensmittel schlank zu bleiben oder zu werden! Und das ist wichtig, um die Gelenke zu entlasten.

Sojaprodukte: Sie sind mit ihrem hohen Eiweißgehalt ein guter Fleischersatz. Vor allem auch deshalb, weil sie frei von Arachidonsäure sind. Eine fleischarme (laktovegetabile) Ernährung trägt entscheidend dazu bei, Gelenkentzündungen zu verhindern.

Reichlich Flüssigkeit: Trinken Sie pro Tag mindestens 2 Liter natriumarmes Mineralwasser, Tee und Säfte. Entwässernde Tees mit z.B. Birkenblättern, Löwenzahn oder Brennnesselblättern helfen bei der Entschlackung. Denn sie spülen Gifte aus dem Körper.

2 Rezepte

Ohne Arachidonsäure: Zucchini-Auflauf mit Ziegenkäse

ZUTATEN (für 2 Portionen)

50 g Zwiebeln

1-2 Knoblauchzehen

500 g Tomaten

6 EL Olivenöl

Salz

Pfeffer

Zucker
2 Stengel Salbei

1 Zucchini

200 g Ziegenfrischkäse (z. B. Picandou)

ZUBEREITUNG

Zwiebeln schälen und fein hacken. Knoblauch schälen, durch Presse drücken. Tomaten waschen, vierteln, entkernen und in Würfel schneiden.

2 EL Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen, Zwiebeln und Knoblauch darin glasig dünsten. Tomatenwürfel zugeben, bei mittlerer Hitze ca. 5 Minuten zugedeckt köcheln lassen. Danach Deckel abnehmen und weitere 15 Minuten zu einem Tomatensugo einkochen. Mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker abschmecken.

Salbei waschen. Blätter von den Stielen abzupfen und fein hacken. Mit 3 EL Öl verrühren.

Zucchini waschen und in dicke Scheiben schneiden. Restliches Olivenöl in einer beschichteten Pfanne erhitzen und die Zucchinischeiben beidseitig goldgelb anbraten.

Zucchinischeiben und Tomatensugo abwechselnd in eine feuerfeste Auflaufform schichten. Ziegenkäse zerbröckeln und darüber streuen.

Im vorgeheizten Ofen ca. 5 Minuten überbacken, bis der Käse leicht braun wird. Sofort servieren. Dazu Vollkornbaguette essen.

Pro Portion ca.: 476 kcal/1999 kJ,

23 g Eiweiß, 32 g Fett, davon ungesättigte Fette 26,8 g, 11,8 g Kohlenhydrate. Vegetarisch und daher keine Arachidonsäure!

Viele Omega-3-Fettsäuren: Matjesfilet auf roter Beete

ZUTATEN (für 2 Portionen)

150 g Rote Bete

5 g Ingwer

30 g Schalotten

200 g Apfel, säuerlich

3 EL Rapsöl

1 TL Zucker

1 TL Apfelessig

2 EL Schnittlauch, gehackt

Jodsalz, Pfeffer

2 EL Weißweinessig

2 TL Honig (flüssig)

4 Matjesfilets (mittelgroß)

ZUBEREITUNG:

Die rote Beete schälen, in feine Streifen schneiden. Kurz in kochendem Salzwasser abbrühen, danach abschrecken und abtropfen.

Ingwer schälen und fein hacken. Schalotten waschen und klein schneiden. Apfel waschen, halbieren und Gehäuse entfernen. Danach in dünne Spalten schneiden.

Ingwer und Schalotten in wenig Öl (1 EL) leicht anschwitzen. Apfelspalten dazugeben und ebenfalls bissfest andünsten. Zucker und Apfelessig zugeben, kurz köcheln und dann abkühlen lassen.

Über die abgekühlte Mischung den gehackten Schnittlauch streuen und die rote Beete unterheben. Mit Salz und Pfeffer fein abschmecken.

Weißweinessig, Honig und restliches Öl (2 EL) zu einer Vinaigrette vermischen. Zart mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Rote Beete-Apfel-Mischung halbieren. Jeweils auf einem flachen Teller anrichten. Anschließend je zwei Matjesfilets darauf legen und mit etwas Vinaigrette beträufeln.

Pro Portion ca.: 456 kcal/1915 kJ, 28,6 g Fett, davon ungesättigte Fettsäuren 21,4 g, 18,5 g Kohlenhydrate, 18,3 g Eiweiß. Viel Omega-3 Fettsäuren, ca. 7 g (schwankt stark je nach Fettgehalt)


ist Diplom-Journalistin und hat ein Staatsexamen in Psychologie. Die alleinerziehende Mutter war viele Jahre Mitglied der Chefredaktion großer deutscher Frauenzeitschriften. Derzeit ist die überzeugte Vegetarierin, freie Autorin und findet die besten Ideen auf Spaziergängen mit ihrem Hund Quadriga.

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