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„Hiermit bewerbe ich mich auf die StelleR...

Wer eine Stellenanzeige findet, die perfekt zu passen scheint – auf das Interesse, die Ausbildung, die Branche oder den Standort – sollte sich sofort bewerben, denn das tun viele andere Interessenten auch. Um sich abzuheben aus dem Bewerberfeld und um beim Personalchef oder Geschäftsführer Interesse zu wecken, kommt es auf ein kreatives und frisches Bewerbungsschreiben an. Zugegeben, das ist nicht leicht, es ist aber auch nicht unmöglich – wenn man weiß, worauf es in einem Bewerbungsschreiben wirklich ankommt. Wir haben für euch kluge Tipps, wie ihr euch abheben und punkten könnt, um den Job zu bekommen.

Schon der Einstieg kann Langeweile ausstrahlen

„Hiermit bewerbe ich mich…“ – solche Phrasen lesen Personalchefs jeden Tag und es kann sein, dass die Bewerbung schon deshalb auf dem großen „Rücksendestapel“ landet.

Klar könnt und solltet ihr im Lebenslauf auf Ausbildung, Studium, Qualifikationen und Erfahrungen präsentieren, doch den Lebenslauf liest ein Entscheider erst dann, wenn das Bewerbungsschreiben ihn neugierig gemacht hat. Euer Schreibstil entscheidet also darüber, ob ihr zum Vorstellungsgespräch eingeladen werdet.

Wie ein Bewerbungsschreiben NICHT formuliert werden sollte

Betrifft: Bewerbung um Stelle…

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle als …

Nachdem ich den Bachelor in … abgeschlossen habe, möchte ich mich einer beruflichen Herausforderung stellen und meine profunden Kenntnisse aus dem Studium in Ihrem Unternehmen unter Beweis stellen.

Meine Stärken liegen im eigenverantwortlichen und selbstständigen Handeln. Außerdem bin ich kommunikativ und kann selbst schwierige Situationen mit einem kühlen Kopf meistern.

Mit mir gewinnt Ihr Unternehmen einen leistungsorientierten und motivierten Mitarbeiter. Ich würde mich freuen, Sie persönlich von meinen Stärken zu überzeugen und würde mich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Welche Erkenntnisse kann ein Personalchef oder Geschäftsführer einem solchen Bewerbungsschreiben entnehmen? Nicht viele, außer der Info, was der Bewerber studiert hat – der Rest sind Floskeln. Damit ihr bei eurer nächsten Bewerbung punkten könnt, haben wir für euch kluge Tipps zusammengestellt, wie ein Bewerbungsschreiben besser formuliert wird, damit es beim Adressaten einen positiven Eindruck hinterlässt!

Was sollte in der Betreffzeile stehen?

Schon in der Betreffzeile merkt der Adressat, ob der Bewerber interessant ist. Eine unvollständige Betreffzeile, in der die exakte Stellenbeschreibung fehlt, bringt den ersten Minuspunkt. Wenn dann vor der Zeile auch noch „Betreff:“ steht, wirkt das antiquiert. Die Betreffzeile mit der Stellenbeschreibung (einschließlich des Bewerbungscodes) über dem eigentlichen Text, sollte fett hervorgehoben werden. Denn in einigen Unternehmen werden mehrere Stellen gleichzeitig ausgeschrieben und dann man kann eure Bewerbung vielleicht nicht zuordnen.

Welche Anrede ist im Bewerbungsschreiben ratsam?

Mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu beginnen, ist langweilig und bringt den Adressaten zum Gähnen. Wer sich für eine Stelle tatsächlich interessiert, sollte das schon in der Anrede zum Ausdruck bringen. Ruft einfach mal im Unternehmen an und erkundigt euch, wer für Bewerbungen zuständig ist. Habt ihr den Namen herausgefunden, könnt ihr mit: „Sehr geehrte Frau Maier oder sehr geehrter Herr Hoffmann“ einsteigen. Eine solche Anrede ist persönlicher und zeigt dem Personalchef, dass sich der Bewerber tatsächlich für die Stelle bzw. das Unternehmen interessiert.

Die ersten zwei Sätze sind entscheidend

„Hiermit bewerbe ich mich…“ ist der langweiligste und unkreativste Satz überhaupt. Ein Personalchef, der eine Bewerbung auf dem Tisch hat, weiß ja bereits, dass sich jemand bewerben möchte – so etwas muss nicht noch mal erwähnt werden. Auch Sätze wie: „Ich bin an Stelle XXX interessiert“ sind nutzlos. Keiner, der eine Stelle uninteressant findet, wird sich bewerben. Der Personalchef geht also davon aus, dass ein Bewerber Interesse an einer Stelle hat, denn das ist die Voraussetzung für eine Bewerbung.

Besser ist, den Personalchef oder den Bearbeiter in der Personalabteilung im Vorfeld anzurufen und zwei bis drei kurze Fragen zur Stellenausschreibung zu stellen. Hier müsst ihr allerdings kreativ sein, denn wenn der Bearbeiter antwortet: „Steht alles in der Stellenausschreibung“, ist das peinlich. Kluge Fragen im Vorfeld haben den Vorteil, dass ihr im Schreiben das Telefonat erwähnen könnt und der erste Satz kann lauten:

„Herzlichen Dank für das freundliche Gespräch am…. In der Anlage sende ich Ihnen die vollständigen Bewerbungsunterlagen.“

Im zweiten Satz sollte eine plausible Begründung genannt werden, warum ihr euch auf die Stelle bewerben wollt und meint, dass ihr der richtige Kandidat sein könntet.

„Ich habe bereits während des Studiums verschiedene Praktika in unterschiedlichen Unternehmen auf dem Gebiet XXX absolviert und konnte Erfahrungen in diesem Berufsfeld sammeln“.

Damit werdet ihr für den Personalchef interessant, weil er weiß, dass ihr bereits Gelegenheiten hattet, euch Kenntnisse anzueignen, die für das Unternehmen nützlich sein könnten.

Beschreibung des Berufsziels

„Ich möchte mich neuen Herausforderungen stellen“. Wirklich? Warum sonst bewirbt sich jemand? Dem Personalchef wird spätestens hier langweilig und er wird denken: Ist nicht jeder neue Job eine neue Herausforderung?

Besser punkten könnt ihr, wenn ihr schreibt: „Neben meinem XXX-Studium, das ich mit Note X abgeschlossen habe, engagiere ich mich in meiner Freizeit im Computerverein XX, im Sportverein XX. Dort kommt es neben Teamfähigkeit vor allem auf Effizienz an“.

Jeder Personalchef mag engagierte Bewerber, die später als Mitarbeiter teamfähig und effizient sind und die ein positives Image mitbringen.

Was wollen Personalchefs über den Bewerber noch wissen?

Wenn ihr euch als motivierten Mitarbeiter beschreibt, der selbstständig arbeitet und der in Stress-Situationen den Überblick behält, sind das Eigenschaften, die von jedem Bewerber erwartet werden. Eigenschaften wie hohe Leistungsfähigkeit sind ebenfalls völlig normal – solche Dinge müssen einem Chef, den man von sich überzeugen will, nicht explizit aufgezählt werden. Bewerber müssen dem Personalchef oder Geschäftsführer das Gefühl geben, dass sich hier jemand bewirbt, bei dem es sich lohnt, ihn zum Vorstellungsgespräch einzuladen.

Schreibt also von Projekten, die ihr schon verantwortlich und erfolgreich über die „Ziellinie“ gebracht habt und bei denen ihr eure Stärken beweisen konntet: „Als Verantwortlicher eines Kompetenzteams habe ich eigenverantwortlich die Projektstruktur erstellt und war für das Netzwerk der Firma zuständig. Ich kann meine Erfahrungen und meine Kommunikationsfähigkeit, die ich bei der Umsetzung im Projekt XX sammeln konnte, in Ihrer Firma einbringen.“

Folgende Formulierung bitte in einer Bewerbung vermeiden

Zum Schluss gibt es noch ein paar Hinweise, welche Formulierungen bei Personalchefs oder Geschäftsführern überhaupt nicht gut ankommen:

„Ich persönlich konnte schon viele positive Erfahrungen machen“ – da „ich“ immer persönlich ist, kommt das schräg rüber und wenn schon „positive Erfahrungen“ erwähnt werden, dass müssen sie konkret sein – sonst sind es Worthülsen oder Floskeln.

Abschwächende Formulierungen wie „unter Umständen“, „eventuell“, „möglicherweise“ oder „ziemlich“ lassen den Bewerber schon im Bewerbungstext unsicher und wenig selbstbewusst erscheinen.

Wer „frischen Wind“ in die Firma bringen möchte, kommt großspurig rüber und wirkt wie jemand, der sich zutraut, die Firma umzukrempeln. Wer das schreibt, muss auch konkret sagen, wie er das anstellen will, sonst wirkt er wie jemand, der die Firma für einen „Saftladen“ hält.

Sätze, in denen sich ein Bewerber mit Adjektiven wie einzigartig, vielseitig, spannend, dynamisch oder effizient beschreibt, kommen bei den Entscheidern in die Kategorie Schaumschläger und mit einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch wird es eher nichts.

„Ich kenne mich bei diesem Thema von A bis Z aus“, ist ebenfalls eine Floskel, mit denen man nicht punkten kann.

Wer sich mit Superlativen wie „ich besitze außerordentliche Fähigkeiten“ beschreibt, hinterlässt den Eindruck eines überheblichen Bewerbers und kommt meist nicht in die engere Auswahl.


Betty arbeitet als freie Journalistin und ist Herausgeberin im Verlag Berliner Journalisten. Im Ullstein-Verlag veröffentlichte sie drei Sachbücher zu den Themen Europa, Verbraucherrecht und der Gleichstellung allein erziehender Mütter.

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