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Die 8 größten Fehler bei Gehaltsverhandlungen
Die 8 größten Fehler bei Gehaltsverhandlungen

Quelle: Pexels

Karriere

Die 8 größten Fehler bei Gehaltsverhandlungen

Gehaltsratgeber Teil 1

Wenn es ums Geld geht, hört die Freundschaft auf, sagt ein Sprichwort. Das stimmt im privaten Bereich ganz sicher, im Job sieht die Sache anders aus, denn Geldverdienen ist kein Freundschaftsdienst, sondern wir müssen von unserem Verdienst leben. Das setzt voraus, dass wir von Zeit zu Zeit nach einer Gehaltserhöhung fragen. Viele schieben das vor sich her, andere trauen überhaupt sich nicht, ihren Chef auf das Thema anzusprechen. Allerdings ist das unklug, denn in den meisten Jobs wachsen zwar die Aufgaben und die Verantwortung, aber das Gehalt bleibt oft über Jahre unverändert. Wenn ihr mehr verdienen möchtet, solltet ihr den Chef überzeugen! Wie das klappt? Mit klugem Verhandlungsgeschick und wenn ihr die folgenden klassischen Fehler vermeidet.  

Fehler 1: Falscher Zeitpunkt und ohne Termin

Wann ist der richtige Zeitpunkt? Gute Frage! Auf keinen Fall solltet ihr den Chef im Vorbeigehen vor dem Büro oder auf dem Flur ansprechen und schon gar nicht in der Kantine! Kreuzt bitte auch nicht ohne Anmeldung im Chef-Büro auf und fragt euren den Vorgesetzten, wie es mit einer Gehaltserhöhung aussieht. Noch heikler: Sprecht den Chef keinesfalls im Beisein von anderen Mitarbeitern oder gar Kunden an, denn in den meisten Firmen wird nicht über das Gehalt gesprochen und viele Chefs reagieren darauf besonders “allergisch”. Ein Termin ist für so sensible Gespräche unverzichtbar. Und wenn ihr wisst, dass euer Chef ein Morgenmuffel ist, versucht das Gespräch für einen Nachmittag zu terminieren. 

Fehler 2: Nicht von Gehaltserhöhung sprechen

Wenn ihr euch endlich dazu durchgerungen habt, euren Chef auf mehr Geld anzusprechen, fragt bitte nicht nach einer “Gehaltserhöhung” – sprecht lieber von einer “Gehaltsanpassung”, das klingt eleganter und nicht so fordernd! 

Fehler 3: Schlechte Argumente

Für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung braucht ihr auf jeden Fall gute Argumente. Aber was sind gute und was schlechte Argumente?  

Schlechte Argumente, die ihr niemals als Begründung für eine Gehaltsanpassung erwähnen solltet, sind gestiegene private Kosten oder Anschaffungen, für die ihr Geld benötigt. Auch mit zu viel Stress im Job solltet ihr nicht argumentieren oder mit dem höheren Gehalt von Kollegen. Wer eine Gehaltsanpassung verhandeln will, sollte im Gespräch mit dem Arbeitgeber folgende gute Argumente erwähnen: UmsatzsteigerungWeiterentwicklung bzw. QualifikationLeistungssteigerungÜbernahme von mehr Verantwortung. Die meisten Arbeitgeber hören solche Argumente gern und wenn ihr sie selbstbewusst vortragt und klug ins Gespräch einpasst, ist euch die positive Aufmerksamkeit des Chefs sicher. 

Fehler 4: Vergleiche mit Kollegen sind tabu

Wer sich ungerecht bezahlt fühlt, sollte gegenüber dem Chef niemals Kollegen-Vergleiche anführen. Erstens sind Gehaltsgespräche unter Mitarbeiter in vielen Firmen verpönt oder sogar verboten. Außerdem könnte der Chef argumentieren, dass andere Kollegen effizienter arbeiten und weniger Fehler machen. Besser ist, wenn ihr eure eigenen Stärkten betont, wie zum Beispiel Spezialkenntnisse oder Qualifikationen – so etwas bringt fast immer einen positiven Mehrwert. 

Fehler 5: Emotionale Ausbrüche

In einem Gespräch über Geld sind sachliches und selbstbewusstes Auftreten gegenüber dem Chef ein absolutes MUSS, denn nur Sachlichkeit gewinnt. Wer beleidigt auftritt, weil eine Kollegin zum Beispiel schon vor Monaten mehr Geld bekommen hat oder dem Chef moralisch kommt – nach dem Motto: “ich hätte es viel eher verdient” – hat schon verloren. Noch schlimmer kann es nur kommen, wenn man sich gegenüber dem Chef im Ton vergreift und anmaßend oder beleidigend wird. Bei all diesen Reaktionen weiß der Chef sofort: Mit Sachargumenten muss ich hier nicht rechnen. Wer unsicher ist, sollte sein Auftreten inclusive Körpersprache trainieren und vor allem Sachargumente (siehe gute Argumente) verinnerlichen. Je sachlicher und inhaltsreicher ein Gespräch verläuft, desto besser das Ergebnis.  

Fehler 6: Mit einer Kündigung drohen

Eine Kündigungsandrohung, falls der Arbeitgeber nicht mehr Geld zahlt, ist die absolut schlechteste Idee. Der Chef könnte es wörtlich nehmen und der Kündigung zustimmen, weil damit das Vertrauensverhältnis zerstört ist. Die Frage nach einer Gehaltsanpassung ist zwar legitime, sie darf sich aber nicht wie eine “Erpressung” anhören. Drohen ist tabu, denn die meisten Arbeitgeber werden nicht darauf eingehen und sich diesen “Erpressungsversuch” merken. Setzt also keine falschen Signale, sondern sagt in sachlichem Ton: „Ich bin mit dem aktuellen Gehalt unzufrieden” oder “Mein Gehalt entspricht nicht den am Markt üblichen Zahlungen”. So wird der Arbeitgeber eher in Gehaltsverhandlungen einsteigen. 

Fehler 7: Kein Protokoll über das Gehaltsgespräch

Egal, wie ein Gehaltsgespräch gelaufen ist – ob positiv, harmonisch oder neutral – vergesst nicht, ein Protokoll über den Inhalt zu erstellen. Am besten sofort nach dem Gespräch, wenn alles noch frisch in eurem Kopf ist. Es besteht nicht nur die Gefahr, dass sich der Chef später nicht mehr an den Verlauf bzw. die Zusagen oder Absprachen erinnern kann (oder will), er könnte auch seine Meinung ändern. Deshalb zeitnah ein Ergebnisprotokoll anfertigen, beim Chef hinterlegen und um seine Unterschrift unter dem Protokoll bitten. 

Fehler 8: Zu viel oder zu wenig verlangen

Geht bitte mit realistischen Vorstellungen in ein Gehaltsgespräch und plant einen Verhandlungsspielraum ein. Mit überzogenen Forderungen ist die Chance auf eine Gehaltsanpassung fast schon verspielt. Wer mehr als 20 Prozent verlangt, sollte nachvollziehbar belegen können, warum eine solche Erhöhung gerechtfertigt ist. Aber auch eine zu geringe Forderung kann “nach hinten losgehen”. Bei einer geringen Erhöhung kommt der Arbeitgeber billig davon, aber er verliert meist auch den Respekt vor einem Mitarbeiter, der sich unter Wert verkauft.  

Welche Forderungen realistisch sind und wann der beste Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung ist, erfahrt ihr im Teil 2 dieses Gehaltsratgebers. 


Betty arbeitet als freie Journalistin und ist Herausgeberin im Verlag Berliner Journalisten. Im Ullstein-Verlag veröffentlichte sie drei Sachbücher zu den Themen Europa, Verbraucherrecht und der Gleichstellung allein erziehender Mütter.

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