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Hilf dir selbst! Was hinter deinen Rückenschmerzen...

Hilf dir selbst! Was hinter deinen Rückenschmerzen stecken kann (Teil 1)

Hilf dir selbst! Was hinter deinen Rückenschmerzen stecken kann (Teil 1)

Quelle: Pixabay

 
Über 80 Prozent von uns plagen häufig oder permanent Rückenschmerzen. Wir Frauen sind meist noch öfter betroffen als Männer. Hinter den Schmerzen kann vieles stecken. Welche Störungen am häufigsten sind, was dann schnell hilft und wie man vorbeugt, hier eine wichtige Übersicht.

Über 80 Prozent von uns plagen häufig oder permanent Rückenschmerzen. Wir Frauen sind meist noch öfter betroffen als Männer. Hinter den Schmerzen kann vieles stecken. Welche Störungen am häufigsten sind, was dann schnell hilft und wie man vorbeugt, hier eine wichtige Übersicht.

Weit verbreitet – Rücken- und Nackenschmerzen durch Verspannungen:

Rücken – oder Nackenschmerzen sind häufig auf eine Verspannung der Muskulatur zurück zu führen. Durch Hektik und Stress, berufliche Belastungen, körperlich einseitige Arbeit und psychische Probleme können Fehlhaltungen auftreten, die dann zu einer Verhärtung und Verspannung der Muskulatur führen.Weil dieses Fehlverhalten zu einer Dauerbelastung bestimmter, übermäßig beanspruchter Muskeln führt. Und in Folge dieser Dauerbelastung kommt es zu einem örtlich umschriebenen Sauerstoffmangel in den betroffenen Muskeln. Der Sauerstoffmangel wiederum führt zu einer Stoffwechselstörung im Muskelgewebe, was dazu führt, dass sich der betroffene Bereich schmerzhaft verhärtet. Bei chronischen Muskelverspannungen kann es sogar zu einer Reduzierung des Muskelgewebes (Atrophie) kommen.

Ein Teufelskreis!

Denn durch die schmerzhaft verkrampften Muskeln versucht der Körper eine Schonhaltung einzunehmen, z. B. durch eine unnatürliche Sitzhaltung am Schreibtisch. Dadurch verkrampfen und schmerzen weitere Muskeln. Ein Ungleichgewicht in der Spannung der einzelnen Muskelgruppen (muskuläre Dysbalance) ist das Resultat. Der eben besagte Teufelskreis hat sich geschlossen.

Wie sich Muskelverspannungen bemerkbar machen:

Im Wesentlichen durch zwei Arten von Beschwerden: nämlich durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Eine Muskelverspannung wird von den so genannten sensiblen Nervenfasern als Schmerzreiz an das Gehirn weitergeleitet. Im Falle einer verspannten Rückenmuskulatur (meist ist die Lendenwirbelsäule betroffen) kommt es zu tief sitzendem Rückenschmerz. Auch die Nacken- und Schultermuskulatur ist sehr häufig verspannt. Das führt dann zu Nackenschmerzen, Schulter- und sogar Armschmerzen. Auch Kopfschmerzen treten häufig als Folge von Muskelverspannungen auf.

Wie du aus diesem Teufelskreis wieder herauskommst:

Durch eine frühzeitige und konsequente Therapie sowie vorbeugende Maßnahmen z.B. Vermeidung von monotonen Zwangshaltungen und Bewegung können Verspannungen und Muskelhärten normalerweise wieder völlig aufgelöst werden. Die Therapie beinhaltet zwei Säulen: zum einen die Muskellockerung, zum anderen die Behandlung der Schmerzen. So kann Wärme zum Lösen der Verspannungen eingesetzt werden. Auch Massagen haben oft lockernde und schmerzlindernde Wirkung, ebenso die Chirotherapie oder manuelle Therapie. Bei starken akuten Schmerzen kann eine Ruhigstellung für Entlastung sorgen. Und auch schmerzlindernde und muskelentspannende Medikamente in Form von Tabletten oder Infusionen besseren die akuten Beschwerden. Bei psychisch bedingten Verspannungen sollten Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training erlernt werden.

Und das kannst du selbst dagegen tun:

Auf lange Sicht können nur das Vermeiden von Fehlbelastungen sowie Fehlhaltungen und ein ausreichendes Training der Rücken- und Nackenmuskulatur zu einer Vermeidung von Muskelverspannungen führen. Ausreichende Bewegung und regelmäßiges Positionswechsel sind weitere Voraussetzungen. Betroffene sollten den Besuch einer Rückenschule erwägen.

Was zu Bandscheiben-Problemen führen kann:

Wie bei vielen anderen Rückenleiden liegt es häufig an unseren Lebensgewohnheiten. Wir bewegen uns einfach zu wenig. Ob im Büro, Bus, Auto, abends auf dem Sofa – die meiste Zeit verbringen wir sitzend. Das führt zur Erschlaffung der Rückenmuskulatur und oft auch zu Übergewicht, einem weiteren Grund für Rückenprobleme. Die Bandscheiben wirken wie Stoßdämpfer zwischen den Wirbelkörpern des Rückgrats. Sie bestehen aus einem festen Faserring und einem weichem Gallertkern. Durch Bewegung werden die Bandscheiben mit Nahrungsstoffen versorgt. Je weniger die Bewegung und je häufiger Fehlbelastungen der Wirbelsäule umso schneller verschleißen die Bandscheiben. Es kommt zu Rissen im Faserring der Bandscheibe. Der Gallertkern tritt durch diese Risse in den Rückenkanal aus und drückt auf die Nerven, die in die Beine oder Arme ziehen.

Woran ich einen Bandscheibenvorfall bemerke:

An Schmerzen, die vom Rücken ausgehend in Arme und Beine ziehen. Die Schmerzen können von Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln begleitet sein. Bei größeren Bandscheibenvorfällen kommt es gar zu Lähmungen der Muskeln oder Blasen- oder Darmstörungen. Es gibt Hinweise darauf, dass genetische Faktoren bei der Entstehung von Bandscheibenvorfällen eine Rolle spielen. Liegen Rückenprobleme sozusagen in der Familie, ist es besonders wichtig, schon in frühen Jahren eine gute Rückenmuskulatur aufzubauen.

Wann du unbedingt einen Arzt aufsuchen solltest:

Wenn Rücken- und (Bein)schmerzen trotz Selbsthilfemaßnahmen wie Schmerzmittel, Wärme oder Vermeiden vom Heben schwerer Gegenstände länger als drei Tage anhalten, ist der Besuch beim Arzt (Neurochirurg, Orthopäde) ratsam. Zudem, wenn Rückenschmerzen oft wiederkehren. Dann gilt es, Maßnahmen zu ergreifen, bevor es zum Bandscheibenvorfall kommt.

Wie Bandscheibenprobleme behandelt werden:

Wenn keine Lähmung (z.B. der Blase) besteht, wird zunächst sanft, also ohne Operation, behandelt. Dabei kommen Therapieansätze wie Krankengymnastik, Wärmetherapie, sanfte Massagen und manuelle Therapie zum Einsatz. Auch Infusionen und verschiedene Formen von Spritzen können gut helfen. Bei anhaltenden Beschwerden oder bei Lähmungen kommt eine Operation in Frage. Je nach Größe, Form und Lokalisation des Bandscheibenvorfalls wird der Vorfall entweder mikrochirurgisch oder endoskopisch entfernt. Es gibt auch die Möglichkeit, den kaputten Kern der Bandscheibe durch eine Prothese zu ersetzen, damit die Beweglichkeit insbesondere bei jüngeren Patienten erhalten bleibt.

Bin ich nach einer OP für immer geheilt?

Die Heilungschancen nach der Operation mit entsprechenden Nachbehandlungen mit Krankengymnastik und später Muskelaufbau sind sehr gut und liegen bei ca. 85 bis 90 %. Bestimmte Verhaltensmaßnahmen müssen nach der Operation beachtet werden. Das Risiko für einen erneuten Vorfall an derselben Stelle liegt bei ca. 5%.

Rückenschmerzen können auch von einem schiefen Becken oder Hüftstörungen herrühren:

Durch ein schiefes Becken, z.B. bei Beinlängendifferenz  kommt es zu einer Fehlbelastung der Wirbelgelenke und des Kreuz-Darmbein-Gelenks (des so genannten ISG). Störungen und Blockaden  in diesen Gelenken führen häufig zu Rücken- und Kreuzschmerzen teilweise auch mit Ausstrahlung ins Bein oder in die Leiste. Bei Hüftstörungen wird die Gewichtsübertragung vom Oberschenkel auf das Becken ungünstig beeinflusst. Dadurch kommt es auf Dauer zu einer Überbelastung des Hüftgelenkes. In Folge dessen verschleißt und schmerzt das Hüftgelenk, es kann sogar zu einer Hüftarthrose kommen.

Wie es überhaupt zu einem schiefen Becken kommt:

Es gibt vier Ursachen. Bei einigen Patienten ist die Schiefstellung durch eine Hüftdysplasie bedingt, die seit ihrer Geburt vorhanden, aber über Jahrzehnte nicht entdeckt worden ist. Es kann aber auch eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose) oder eine Arthrose des Hüftgelenks verantwortlich sein. Und letztlich kann auch ein Bein länger als das andere sein – beispielsweise nach einem Unfall, Sturz oder einem Oberschenkelhalsbruch.

Welche Schmerzen auf ein schiefes Becken hindeuten:

Häufig treten dann Schmerzen im Lenden- oder Kreuzbereich auf. Bei ausgeprägteren  Fehlstellungen kann sogar die gesamte Wirbelsäule betroffen sein, so dass die Patienten auch in der Brust- oder Halswirbelsäule oder im Bereich der Schulterblätter Schmerzen spüren. Die Behandlung hängt von den Ursachen ab. Je nachdem, ob die Wirbelsäule, die Verschleißerscheinungen in der Hüfte oder eine Beinlängendifferenz ursächlich sind und ob es sich um Veränderungen in Muskulatur oder Knochen handelt. Wenn nur die Muskeln dafür verantwortlich sind, kann schon Krankengymnastik helfen. Bei fortgeschrittener Arthrose des Hüftgelenkes kommen entweder Aufbauspritzen oder eine Operation mit Implantation einer künstlichen Hüfte in Frage. Wenn die Verkrümmung der Wirbelsäule an einem zu kurzen Bein liegt (bis zu zwei bis drei Zentimeter fehlen), können Einlagen oder eine Schuh-Erhöhung die Differenz der ungleichen Beinlänge ausgleichen. Wenn dies nicht ausreicht, ist es möglich, die Beinlängendifferenz operativ zu behandeln. Solche Fälle sind allerdings sehr selten.

7 wichtige Tipps: Wie du deinen Rücken schonen kannst

+ Nach Möglichkeit immer gerade sitzen. Beine dabei locker auf den Boden stellen.

+ Tiefe und weiche Sitzmöbel meiden. Empfehlenswert ist ein keilförmiges Sitzkissen.

+ Lasten (z.B. Einkäufe) stets gleichmäßig auf beide Körperhälften verteilt tragen.

+ Schwere Gegenstände nie mit gebeugter Wirbelsäule heben. Besser: Mit geradem Rücken leicht in die Hocke gehen.

+ Zum Ausruhen die Beine anwinkeln, z.B. auf einen Hocker legen.

+ Beim Schlafen darf die Wirbelsäule nicht abknicken. Deshalb für eine gute Matratze, einen Lattenrost und ggf. orthopädisches Schlafkissen sorgen.

+ Bevorzuge rückenschonende Sportarten wie Rückenschwimmen, Walking Wandern, Fahrradfahren.


ist Diplom-Journalistin und hat ein Staatsexamen in Psychologie. Die alleinerziehende Mutter war viele Jahre Mitglied der Chefredaktion großer deutscher Frauenzeitschriften. Derzeit ist die überzeugte Vegetarierin, freie Autorin und findet die besten Ideen auf Spaziergängen mit ihrem Hund Quadriga.

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  1. Lena

    7 Dezember

    Hallo und danke für diese Tipps gegen Rückenschmerzen! Toll, dass hier so ausführlich über die Ursachen von Rückenschmerzen gesprochen wird. Ich wusste gar nicht, dass man bei Rückenschmerzen auch autogenes Training machen kann. Meine Tante hat auch durch viel sitzende Tätigkeiten Rückenschmerzen bekommen und hat überlegt, sich eine Massage zu gönnen.

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