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„Eine Ohrfeige ist schon ok“ – Die 10 häufigsten Irrtümer im Familienrecht

Die 10 häufigsten Irrtümer im Familienrecht

Quelle: Pexels

 
Mehr als 80 Prozent der Frauen denken von sich, dass sie umfassend aufgeklärt sind. Doch im Familienrecht scheint das nicht zuzutreffen, denn dort gibt es noch immer viele Dinge, die sich als Irrtum herausstellen

Mehr als 80 Prozent der Frauen denken von sich, dass sie umfassend aufgeklärt sind. Doch im Familienrecht scheint das nicht zuzutreffen, denn dort gibt es noch immer viele Dinge, die sich als Irrtum herausstellen

Ein Kind darf schon mal eine Ohrfeige bekommen

Falsch! Bereits im Jahr 2000 wurde das „Züchtigungsrecht“ abgeschafft. Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung (§ 1631 BGB), sonst machen sich die Eltern strafbar (§ 1666 BGB, §§ 223,225 StGB).

Eltern haften immer voll für ihren Nachwuchs

Falsch! Eltern haften zwar, aber nicht für ihre Kinder, sondern nur für ihr eigenes Fehlverhalten – z. B. wenn sie die Aufsichtspflicht verletzen. Hier gilt: Liegt kein eigenes Verschulden vor, müssen sie nicht für Schäden aufkommen, die ihre Kinder verursachen (§ 832 BGB).

Offene Rechnungen der Kinder zahlen die Eltern

Falsch! Kinder dürfen grundsätzlich nur mit Erlaubnis der Eltern einen Vertrag z. B. für ein Handy schließen (§ 107 BGB). Ist das der Fall, könnte der Händler offene Rechnungen zwar einfordern – allerdings vom Kind, nicht von den Eltern. Ausnahme: Sie haben eine Bürgschaft unterschrieben.

Das Sorgerecht für die Kinder erhält die Mutter

Falsch! Ehepaare haben grundsätzlich auch nach der Scheidung das gemeinsame Sorgerecht (§ 1626 ff. BGB). Bei unverheirateten Paaren kann die Mutter dem Vater das Sorgerecht ebenfalls nicht mehr verweigern Das Gesetz musste geändert werden, weil der Europäische Gerichtshof (Az.: 22028/04) und das Bundesverfassungsgericht (Az.: 1 BvR 420/09) die Regelung für unzulässig erklärt haben, dass unverheirateten Vätern kein Sorgerecht zusteht.

Eheverträge kann man nur vor der Ehe schließen

Falsch! Ein Ehevertrag kann jederzeit geschlossen und geändert werden (§ 1408 BGB). Eine Ehe-Vereinbarung braucht allerdings ein notarielles Siegel – muss also von einem Notar beglaubigt werden (§ 1419 BGB).

Männer zahlen immer Unterhalt an die Ex-Frau

Falsch! Die neuen Unterhaltsregeln fordern eine größere Eigenverantwortung von geschiedenen Frauen. Deshalb ist ein lebenslanger Unterhalt des Ex-Mannes eher die Ausnahme. Dem Elternteil, bei dem das Kind lebt (meist die Frau), kann zugemutet werden, nach dem dritten Geburtstag des jüngsten Kindes wieder in Teilzeit zu arbeiten. Und: Das führt zu einer Kürzung des Unterhalts wegen eigener Einkünfte.

Ein Ehegatte haftet für die Schulden des anderen

Falsch! Jeder Ehegatte haftet für die eigenen Schulden (§ 1363 BGB). Anders ist es nur, wenn per Ehevertrag die Gütertrennung vereinbart wurde (§ 1437 BGB).

Kurze Ehe werden schneller geschieden

Falsch! Jede Ehe, selbst wenn sie nur für einen Tag rechtsgültig geschlossen wäre, muss den gleichen Prozess durchlaufen wie längere Ehen – also ein Trennungsjahr und der Antrag eines Ehepartners auf Scheidung.

Unterhalt für Kinder kann um Besuchswochen gekürzt werden

Falsch! Eltern, die zum Unterhalt verpflichtet sind, dürfen den Unterhalt nicht kürzen, da das Elternteil, bei dem das Kind lebt, laufende Kosten tragen muss wie Versicherungen, Kleidung Kitagebühren.

Den Geburtsnamen wieder anzunehmen, ist kostspielig

Falsch! Ehepartner, die nach der Scheidung ihren Geburtsnamen (Mädchennamen) wieder annehmen möchten, können beim Standesamt die Namensänderung beantragen – die Gebühr beträgt etwa 40 Euro.


Betty arbeitet als freie Journalistin und ist Herausgeberin im Verlag Berliner Journalisten. Im Ullstein-Verlag veröffentlichte sie drei Sachbücher zu den Themen Europa, Verbraucherrecht und der Gleichstellung allein erziehender Mütter.

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  1. Mia

    28 August

    Danke für die guten Tipps zum Familienrecht. Eine Bekannter vertritt auch die Meinung, dass eine Ohrfeige nicht schlimm ist. Diesen Artikel werde ich ihm einmal schicken und hoffen, dass er sein Verhalten ändert.

  2. Michael Bäcker

    21 September

    Danke für die vielen Informationen zum Familienrecht. Meine Schwester und mein Schwager haben schon for etlichen Jahren geheiratet und möchten nachträglich einen Ehevertrag schließen. Dass eine Ehe-Vereinbarung von einem Notar beglaubigt werden muss, werde ich ihr sagen. Das ist sehr hilfreich zu wissen.
    LG

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