Wie mein Kind mich den Job kostete

Wie mein Kind mich den Job kostete

Quelle: Leah Kelley / Pexels

 

Es traf mich wie ein Schlag. Mitten in die Magengrube. Mit voller Wucht. Auch wenn es in mir brodelte wie ein gleich explodierender Vulkan, äußerlich gab es keinerlei Regung von mir, außer einem freundlichen Lächeln. Dann eine nette kurze Verabschiedung nach dem Motto „alles ist gut“ und der Satz: „Wir hören bald wieder voneinander.“

Seitdem ich damals, vor über einem Jahr, die Tür meiner alten Arbeitsstätte hinter mir zuzog, habe ich nie wieder von meinem damaligen Gegenüber – einem angeblichen Freund – gehört. Warum? Ich weiß es nicht, denn eine ehrliche Antwort habe ich bis heute nicht erhalten. Aber es ist definitiv so, dass ich meinen Arbeitsplatz noch hätte, wenn ich kein Kind bekommen hätte. Woher ich das weiß?

Anfang 2012 kam ein alter Bekannter auf mich zu und fragte mich, ob ich in seiner Agentur aushelfen könnte. Da ich selbständig und gern experimentierfreudig bin, sagte ich zu. Aus der Aushilfsphase wurde recht bald ein Full-Time-Job. Ich musste mich entscheiden: weiter als freie Journalistin für regionalen Zeitungen arbeiten oder die große Welt des Sportmanagements zu erkunden. Die Antwort liegt ja quasi auf der Hand. Letzteres erwies sich natürlich als deutlich spannender, auch finanziell deutlich besser und so entschied ich mich auf selbstständiger Basis in der Sportmanagement-Agentur zu arbeiten.

Es war eine tolle Arbeit und die Zusammenarbeit mit weltbekannten Sportgrößen machte mir logischerweise riesig Spaß. Natürlich war es auch ein großer Kraft- und Zeitaufwand, denn als Freund und Helfer, quasi „Nanny“, von Sportgrößen die beispielsweise in Sotchi um olympisches Gold kämpften, gibt es keinen Feierabend. Dass dies mit Baby schwerer kombinierbar wird, war mir klar.

Ich wollte trotz Baby definitiv keine Hausfrau werden. Dafür machte mir das Arbeiten zu viel Spaß. Das war immer klar. Und das wurde auch so kommuniziert beziehungsweise festgehalten, als wir uns damals über meine Baby-Auszeit unterhielten. Natürlich nicht schriftlich, waren wir doch nahezu ein Ein-Mann-Eine-Frau-Betrieb und – ich betone – angeblich Freunde.

Logischerweise musste für mich dennoch übergangsweise Ersatz her. Es wurde ein Trainée eingestellt. Ich machte mir darüber keine Gedanken, schließlich hatten wir sowieso meistens genügend zu tun und auch bei meiner Rückkehr würde da genügend Arbeit abfallen.

Ich arbeitete bis wenige Tage vor der Geburt. Die letzten zwei Wochen natürlich nicht mehr voll, sondern stark eingeschränkt, aber das war ok. Dank einer problemlosen Schwangerschaft lief nämlich alles optimal. Ich schrieb keinen langen Abschiedsmails an Kollegen oder die Sportler, ich gab keine Abschiedsparty, denn es war ja klar, dass ich wiederkomme.

Ich kam wieder! Einige Wochen nach der Geburt schaute ich das erste Mal im Büro vorbei. Alles schien gut zu sein. Bis dahin waren wir auch immer wieder in Kontakt gewesen. Eine feste Rückkehrzeit hatten wir für mich nicht festgelegt. So nach etwa sechs bis zehn Monaten war mein langsamer Wiedereinstieg geplant. Dann kam es allerdings ganz anders.

Der Freund rief mich an, um mit mir einen Termin zu vereinbaren. Wir legten ihn extra noch vor unsere lange (3,5-wöchige) erste Reise (in die USA) mit unserem Kleinen. Dabei offenbarte er mir kurzerhand, dass er mich nicht mehr brauche. Mir wurden noch ein paar fadenscheinige Gründe genannt wieso und weshalb. Alle unglaubwürdig und teils schon eher unter der Gürtellinie. Sei´s drum.

Für mich brach eine Welt zusammen: keine Arbeit mehr! Natürlich in dieser Phase noch nicht allzu schlimm. Der Kleine gerade fünf Monate und ich hatte als Neu-Mama immer noch genügend zu tun. Es war super, dass wir dann auch erst einmal in die USA reisten. Doch zurück zu Hause und mit der Zeit kam die Enttäuschung und die Wut.

Der Kleine wurde größer und so langsam fiel mir die Decke auf den Kopf. Full-Time-Mama, das war nichts für mich. Hin und wieder fand ich zwar Arbeit bei den Zeitungen, doch von heute auf Morgen schrien die auch nicht alle: „Juhu, die Mel ist wieder da!“

Bevor wir unsere zweite große Reise nach Südafrika Ende April mit unserem Einjährigen antraten, wurde es besonders schlimm. Ich fühlte mich überhaupt nicht gebraucht und total unausgelastet. Die meisten Tage waren einfach schrecklich für mich. Die Wut darüber bekam mein Mann zu spüren.

Nicht falsch verstehen, ich liebe meinen Sohn und finde es toll, Zeit mit ihm zu verbringen. Aber auch wenn ich zu Hause den gesamten Haushalt und alles schmiss, es lastete mich einfach nicht aus. Ich brauchte eine richtige Arbeit, etwas, das mir ein gutes Gefühl gibt, gebraucht zu werden.

Wenige Wochen nach unserer Reise kam mir die Idee, eine Seite über das Reisen mit Baby ins Netz zu stellen. Bloggen, das machen mittlerweile doch so viele und schreiben ja, ich finde das kann ich irgendwie. Also setzte ich mich hin und begann. In jeder freien Sekunde haute ich in die Tasten, beschäftigte mich mit dem Bau der Seiten und so weiter. Vor allem nachdem mein Mann die Seite www.kindimgepaeck.de auf facebook postete. Das war sozusagen der leicht ungewollte Startschuss – aber er war genau richtig! Denn jetzt habe ich jede Menge zu tun und fühle mich super dabei Tipps und Infos an andere reisende Eltern weiterzugeben.

Rückblickend kann ich sagen, es war nicht leicht und ist es auch jetzt noch nicht. Denn leider verdiene ich durch das Bloggen bisher noch keinen einzigen Cent. Aber ich habe nun zwei Aufgaben die ich liebe: meinen Sohn und meinen Blog. Alles andere wird gewiss noch kommen.

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Hallo, ich bin Mel. Seit fast 16 Jahren bin ich mit meinem Mann Rolf liiert, acht Jahre davon verheiratet. Vor einigen Jahren haben wir das Reisen lieben gelernt. Auch Baby Samu änderte daran mit seiner Geburt 2015 nichts. Mein berufliches Leben hingegen wurde 5 Monate nach der Geburt unseres Sohnes so ziemlich komplett durcheinander geworfen. So habe ich im Juli 2016 Kind im Gepäck ins Leben gerufen. Meine Homepage – meinen Blog. Warum? Weil Reisen und Schreiben für mich einfach zwei wunderbare Sachen sind. Das Erlebte – Freud und Leid – teilen wir seitdem gerne mit anderen. Wir informieren, geben Ratschläge und lassen somit andere Eltern (hoffentlich) von den Erfahrungen profitieren. Website | Facebook | Instagram | Twitter | YouTube | Xing

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  1. Ich kapiere das Stichwort Kündigung in dem Zusammenhang nicht. Aber ich finde es gut, dass du dir Luft machst. Wenn ich dir als Langzeitarbeitsloser genug auf Augenhöhe bin, wäre ich gern bereit, mit dir und deinem Ebengeradenochpartner zu skypen, um zu begreifen, wer da was wann wie von wem will. Mutterschutz ist eine Frist, die jeder zu akzeptieren hat, auch die Mutter – im Interesse des Kindes. Sonst bekommt mann Angst irgendwann selbst der hintenangesetzte Schutzbefohlene zu werden.

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