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So hältst du deine Bauchspeicheldrüse gesund!

In Deutschland leiden etwa 30 Menschen pro 100.000 Einwohner an einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Und gerade in der „fetten“ Zeit über Feiertage oder Feste muss sie Schwerstarbeit leisten. Lies hier, welche Rolle die Bauchspeicheldrüse im Körper spielt, warum gerade opulentes Essen und Alkohol sie belasten, welche aktuellen Behandlungs-Methoden es gibt und wie du dem allen vorbeugen kannst. 

Welche Bedeutung hat die Bauchspeicheldrüse in unserem Körper?

Eine enorm große Bedeutung. Denn die Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt, ist die wichtigste Drüse für alle Verdauungsvorgänge im menschlichen Körper.

Wo sitzt die Bauchspeicheldrüse überhaupt?

Die Bauchspeicheldrüse liegt gut eingebettet zwischen Wirbelsäule und Magen. Sie ist lediglich 70 bis 100 Gramm schwer, knapp 13 bis 20 Zentimeter lang, aber nur etwa 3 Zentimeter dick. Sie hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Zunge und ist vom Bauchfell überzogen.

Wie arbeitet sie denn?

Die Pankreas bildet den Bauchspeichel. Dieser wird von ihr in den Darm abgegeben. Zudem bildet sie sehr wichtige Hormone, die von ihr in das Blut eingespeist werden. Das wohl bekannteste Verdauungshormon ist das Insulin. Hinzu kommt auch das Hormon Glukagon. Es ist quasi der Gegenspieler des Insulins. Und das dritte wichtige Hormon ist das Somatostatin. Es hemmt die Sekretion von Magensaft und Bauchspeichel. Diese Prozesse werden übrigens vom so genannten sympathischen Nervensystem gesteuert, welches auch unseren Herzschlag oder unsere Atmung reguliert. Also sämtliche Vorgänge im Körper, die unbewusst ablaufen.

Die Bauchspeicheldrüse produziert aber auch Enzyme.

Und diese sind auch überaus wichtig. Wenn wir etwas essen, dann sind die Nahrungsmoleküle noch viel zu groß, um in den Blutkreislauf aufgenommen werden zu können. Sie müssen also erst einmal zerlegt werden. Diese Aufgabe übernehmen die Enzyme des Pankreas-Saftes. Sie sind notwendig, damit wir Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette aus der Nahrung in das Blut aufnehmen können. Ohne sie würden wir schlicht verhungern.

Kann man auch ohne Bauchspeisedrüse leben?

Bei den meisten Erkrankungen gehen nur Teile der Bauchspeicheldrüse zugrunde. Hier spricht man dann von einer Diabetes mellitus. Die schlimme Folge: Teile der Nahrung werden fast unverdaut ausgeschieden. Damit Betroffene dann nicht verhungern, müssen sie regelmäßig das Hormon Insulin spritzen.

Wie gefährlich ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse?

Eine akute Pankreatitis, also eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, ist lebensbedrohlich. Denn es kommt zu einer Art Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse. Typische Symptome hierfür sind plötzlich einsetzende bohrende Bauchschmerzen, die sich wie ein Gürtel um den Körper ziehen. Zudem Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Gesichtsrötung. Bei besonders schweren Fällen kommt es zu einem Schockzustand mit starkem Herzrasen und plötzlicher Atemnot. Die chronische Pankreatitis mündet in einen völligen Funktionsverlust der Bauchspeicheldrüse, der schon erwähnten Diabetes mellitus.

Kann zu fettes Essen zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse führen?

Aber ja. Zu opulente Mahlzeiten sind sehr häufig unmittelbare Auslöser für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung. Denn durch die großen Fettmengen können bislang „ruhende“, also unerkannte Gallensteine, plötzlich Probleme bereiten. Und in 30 bis 50 Prozent der Fälle führen Gallensteine zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Ein anderer Hauptauslöser für Entzündungen der Bauchspeicheldrüse sind ausgiebige Trinkgelage bzw. chronischer Alkoholmissbrauch.  Sehr viel seltener kann eine Pankreatitis ihre Ursachen in Virusinfektionen (z. B. Hepatitis, Mumps), Operationstraumen, Fettstoffwechselstörungen, einer Überfunktion der Nebenschilddrüse oder Nebenwirkungen von Medikamenten haben.

Sollte ich meine Bauchspeisedrüse vorsorglich untersuchen lassen?

Ja, denn der Pankreaskrebs bereitet im Anfangsstadium keine oder nur leichte Beschwerden. Die meisten Patienten besuchen erst dann den Arzt, wenn sie schon schwere Symptome wie eine Gelbsucht oder Oberbauchschmerzen haben. Zu diesem Zeitpunkt ist der Bauchspeicheldrüsenkrebs meist schon fortgeschritten und  hat unter Umständen bereits Metastasen (Tochtergeschwülste) gebildet.

Wie oft sollte man sie checken lassen?

Am besten einmal jährlich im Rahmen einer generellen Check-up-Untersuchung vom behandelnden Hausarzt. Der Patient liegt dabei auf dem Rücken und der Arzt drückt verschiedene Stellen des Bauches, um mögliche schmerzhafte Stellen festzustellen. Verspürst du selbst unklare Oberbauchschmerzen, die möglicherweise auch ausstrahlen, solltest du umgehend einen Arzt konsultieren.

Und wie wird die Funktion der Bauchspeicheldrüse überprüft?

Per Ultraschall können Veränderungen von Form und Größe der Bauchspeicheldrüse schnell und schmerzlos sichtbar gemacht werden. Dazu besteht allerdings nur dann Anlass, wenn der Betroffene entsprechende Symptome zeigt wie Oberbauchschmerzen. Leidet ein Patient unter extremem Durst und sehr häufigem Wasserlassen, kann dies ein Zeichen für Diabetes sein. Hier wird das Blut im Labor untersucht.

Womit wird eine Entzündung behandelt? Und wann muss operiert werden?

Ist die Entzündung akut, muss der Patient sofort zur Behandlung ins Krankenhaus. Bis die Entzündung abklingt, wird er intravenös ernährt und erhält, wenn nötig, Schmerzmittel und Antibiotika. Bei einer chronischen Pankreatitis, bei der sich ein Tumor am Bauchspeicheldrüsenkopf gebildet hat, kommt heute ein alternatives OP-Verfahren zum Einsatz. Die so genannte duodenumerhaltende Pankreakopfresektion (Duodenum = Zwölffingerdarm, Resektion = operative Teilentfernung eines Organs) nach Beger. Bei dieser Technik schält der Chirurg nur den chronisch entzündeten Kopf des Organs aus. Anschließend wird eine Dünndarmschlinge an den Rest der Drüse und den ausgeschälten Kopfbereich angeschlossen. Vorteil des neuen Verfahrens: Es müssen nicht mehr, wie bisher, weitere Organe entfernt werden. Zudem ist die Rate an postoperativen Komplikationen deutlich geringer.

Wie gefährlich ist Bauchspeicheldrüsen-Krebs?

Er gehört leider zu den Krebsarten, die meist tödlich verlaufen. Weil er eben häufig erst sehr spät erkannt wird, ist eine vollständige Heilung oft nicht mehr möglich. Kann der Tumor durch eine Operation nicht entfernt werden, wird durch Bestrahlung und Chemotherapie versucht, zumindest die Lebenserwartung zu verlängern.

Also sollte ich dringend vorbeugen. Wie kann ich die Bauchspeicheldrüse schonen?

Da eine der Hauptursachen für Schäden an der Bauchspeicheldrüse zu viel Alkohol und vor allem auch regelmäßiger Alkoholgenuss ist, sollte man diesen dringend einschränken. Wird er auf ein vernünftiges Maß reduziert, ist schon viel gewonnen. Die zweite Hauptursache, nämlich Gallensteine, lassen sich durch eine fettarme Ernährung mit dem weitgehenden Verzicht auf tierische Fette verhindern.

Neue Erkenntnisse: So schützt du deine Bauchspeicheldrüse

Viel Gemüse essen: Forscher der Universität von San Francisco (USA) fanden heraus, dass schon fünf kleine Portionen Gemüse pro Tag das Risiko halbieren, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken. Am wirksamsten dabei: Knoblauch, Zwiebeln, Bohnen, gelbes Gemüse wie Mais und Karotten sowie Brokkoli, Rosenkohl, Blumenkohl und Kohlrabi.

Tipp: Einfach zum Braten z.B. eine große Portion Rosenkohl servieren.

Alkohol reduzieren: Als Faustregel gilt, dass 1Glas Bier, Wein oder Sekt ca. 7-10 g Alkohol enthalten. Wer mehr als 80 g Alkohol (ca. 8 Gläser Bier) pro Tag trinkt, muss irgendwann mit einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse rechnen.

Tipp: Nach Alkoholgenuss unbedingt 3 bis 4 „abstinente“ Tage einlegen.

Vitamin D einnehmen: Es stärkt nämlich nicht nur Knochen und Muskeln. Neueste Studien belegen, dass es allgemein die Gesundheit stärkt. Zudem senkt es das Risiko, an Pankreas-Krebs zu erkranken.

Tipp: Wer täglich 10 Mikrogramm Vitamin D zu sich nimmt, hat ein um 43 Prozent verringertes Risiko.

Kaffee trinken: Eine Studie der Universität Minnesota (USA) an 28.812 Frauen ergab, dass Kaffeegenuss das Erkrankungsrisiko für Typ-2-Diabetes senkt. Die Forscher vermuten, dass bestimmte Inhaltsstoffe, so genannte Radikalfänger, die Bauchspeicheldrüse schützen. Dort wird das für den Zuckerstoffwechsel wichtige Hormon Insulin produziert.

Tipp: 3 bis 4 Tassen Kaffee pro Tag trinken, am besten koffeinfreien Kaffee. Denn er schützt noch besser.


ist Diplom-Journalistin und hat ein Staatsexamen in Psychologie. Die alleinerziehende Mutter war viele Jahre Mitglied der Chefredaktion großer deutscher Frauenzeitschriften. Derzeit ist die überzeugte Vegetarierin, freie Autorin und findet die besten Ideen auf Spaziergängen mit ihrem Hund Quadriga.

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