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Mein Lebensmittelkompass: EINFACH FAIR UND NACHHALTIG EINKAUFEN
Mein Lebensmittelkompass: EINFACH FAIR UND NACHHALTIG EINKAUFEN

Quelle: Pexels

Ratgeber

Mein Lebensmittelkompass: EINFACH FAIR UND NACHHALTIG EINKAUFEN

Einkaufen ist für viele mit Stress verbunden, denn oft fehlt die Zeit, aus dem großen Angebot der Supermärkte, die richtigen Lebensmittel zu finden. Und wer klimaneutrale Lebensmittel kaufen möchte, die umweltfreundlich verpackt sind, erzeugt zu fairen Preisen, unter vertretbaren Arbeitsbedingungen produziert wurden, ist froh über jeden Einkaufshinweis. Die Journalistin Katarina Schicking hilft hier weiter, denn sie hat ein passendes Buch geschrieben und das ist der perfekte Lebensmittelkompass für alle, die nach Orientierung suchen. Julia Meyn hat für uns mit der Autorin über den Lebensmittelkompass gesprochen. 

Frau Schickling, welche Aspekte des Lebensmittel-Einkaufs haben Sie für Ihr Buch ausgewählt?

Im ersten Teil des Buches geht es um den Lebensmittelmarkt bei uns: Wer bestimmt, welche Ware wir auf den Tisch bekommen? Wer sind die großen Klimasünder? Wie kann ich herausfinden, welchen Rucksack an Problemen ich im Einkaufskorb nach Hause trage? Im zweiten Teil beleuchte ich sortiert nach Warengruppen wie Fleisch, Gemüse und Milch etc. welche Ökobilanzen unsere Lebensmittel haben, worauf ich beim Einkaufen achten kann und wie ich Greenwashing und Öko-Mythen vermeide. Der dritte Teil ist eine Art Nachschlagewerk, wo genau erklärt wird, was sich hinter Tierwohl- oder Regionalsiegeln verbirgt, mit Wegweisern durch Kennzeichnungsdickicht bei Zusatzstoffen, Tarnbezeichnungen für Zucker usw. 

Welche Tipps haben Sie schon jetzt für Menschen, die ihre Lebensmittel fair und nachhaltig einkaufen möchten?

  1. Pflanzliche Lebensmittel sind klimaschonender und sollten der Hauptbestandteil unserer Ernährung sein 
  2. Produkte aus ökologischer Landwirtschaft gehen schonender mit der Ressource Natur um – und besser fürs Tierwohl sind sie sowieso 
  3. Regional und saisonal essen – was nicht weit reisen musste, ist besser fürs Klima, was nicht im Gewächshaus wächst, schmeckt besser und ist nährstoffreicher 
  4. Jeder Verarbeitungsschritt verursacht Emissionen. Deshalb zu gar nicht oder wenig verarbeiteten Lebensmitteln greifen 
  5. Fair gehandelte Lebensmittel kaufen! Warum das besser ist, muss man gar nicht erklären, Ausbeutung ist nicht in Ordnung. Punkt. 
  6. Lebensmittelverschwendung konsequent vermeiden

Jetzt mal „Butter bei die Fische“: Welches Lebensmittel hat den größten CO2-Abdruck?

Richtiges Stichwort: Butter! Man braucht relativ viel Milch für die Erzeugung. Deshalb sollte man Butter sparsam einsetzen. Man kann zum Beispiel in Öl braten und erst am Schluss etwas Butter dazugeben, für den Geschmack. Generell sind alle Erzeugnisse rund ums Rind von der CO2-Bilanz her schlecht. Allerdings ist das auch ein gutes Beispiel dafür, dass CO2 beim Thema Klimafreundlichkeit nicht der einzige Faktor ist. Denn Weidehaltung ist auf vielen Böden die einzige sinnvolle Nutzung. Eine Kuhweide kann sehr humusreich sein, das bindet wieder viel CO2, viel mehr als ein Acker. Und durch ihre Tritte regen die Kühe die Durchwurzelung des Bodens an, das ist gut für die Wasserspeicherung. 

Welches Obst kann man im Winter klimabedenkenlos kaufen? Das meiste wächst ja nur, wenn es warm ist.

Zitrusfrüchte aus Europa haben keine sooo schlechte Ökobilanz, die sind im Winter für die Vitamin C-Versorgung sinnvoll. Äpfel aus Deutschland lagern dann zwar schon eine Weile im Kühlhaus, sind aber immer noch die bessere Wahl als Exoten oder Gewächshaus-Obst. Und mein Winterfavorit sind Quitten – ein tolles Obst! 

Mein Lebensmittelkompass: EINFACH FAIR UND NACHHALTIG EINKAUFEN

Mein Lebensmittelkompass von Katarina Schickling

Warum sind Bio-Lebensmittel scheinbar teurer als konventionelle Lebensmittel?

Bei vielen konventionellen Lebensmitteln ist ein Teil der Kosten quasi vergesellschaftet – zum Beispiel zahlen Trinkwasserkunden und Kundinnen in Niedersachsen oft mehr, wegen der hohen Nitratbelastung des Grundwassers durch die Massentierhaltung. Eigentlich müssten solche Umweltschäden ins Produkt eingepreist sein. Ein anderes, sehr ärgerliches Phänomen: In Folge der Energiekrise sind die Erzeugerkosten im konventionellen Bereich viel stärker gestiegen als bei Bio. Aber die Supermärkte haben die Biopreise parallel genauso angehoben, in der Hoffnung, dass die Kundschaft das schon bezahlen wird. 

Warum werden die Kosten für die fleischkonsum-bedingte Trinkwasserreinigung nicht direkt beim Fleisch eingepreist? Dann würden die Leute automatisch weniger davon kaufen und die Tiere sowie das Klima wären geschützt.

Tja, gute Frage… Wenn man sich anschaut, wer gerade für die CDU und CSU in den Agrarausschüssen des Bundestages und des EU-Parlaments sitzt, wundert man sich darüber nicht mehr: Großbauern, die ihre Interessen zu schützen wissen… 

Viele Bauern können einen erheblichen Teil ihrer Ernte nicht verkaufen, weil ihr Obst und Gemüse nicht den gängigen Handelsvorgaben in Bezug auf Form oder Farbe entspricht? Wie können wir Konsumenten darauf Einfluss nehmen?

Indem wir gezielt krumme Karotten kaufen, wenn es sie doch gibt. Und es gibt inzwischen Anbieter im Internet, die gezielt „aussortierte“ Ware vermarkten. Dazu gibt es Adressen in meinem Buch. 

Wie müssten die gesetzlichen Mindestvorschriften für Tierhaltung ergänzt werden, damit Kühe, Schweine & Co endlich tiergerecht gehalten werden?

Im Grunde haben wir den gesetzlichen Rahmen schon: Das Tierschutzgesetz verbietet vieles, was in der konventionellen Tierhaltung gängige Praxis ist – da wird viel mit Sondergenehmigungen operiert. Generell würde ich mir wünschen, dass wir das Denken umdrehen: Was ist denn tiergerecht? Und damit sind ein paar Eckpunkte sehr offensichtlich: Auslauf, draußen, für alle Tiere. Platz. Ein artgerechtes Futter. Und Rassen, die keine Qualzuchten sind. 

Inwiefern beeinflusst der Krieg in der Ukraine unseren Lebensmittelkonsum?

Angesichts der hohen Preise steckt die Biobranche in einer tiefen Krise. Klar – wer plötzlich eine dreimal höhere Stromrechnung hat, muss sehen, wo er die Kosten wieder reinholt. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass sich das wieder geben wird. 

Derzeit wird berichtet, dass sich einzelne Lebensmittel-Produzenten an der Inflation bereichern. Wie kann ich erkennen, dass ein Unternehmen grundlos seine Preise erhöht?

Das bemerkt eigentlich nur, wer zunächst mal die alten Preise kennt und den Markt verfolgt – bei Sonnenblumenöl ist der Rohstoffpreis, zum Beispiel, längst wieder auf Vorkriegsniveau, teils sogar darunter, und trotzdem kassieren einige Produzenten auf einmal mehr als das Doppelte für die Flasche im Supermarkt. Das ist sehr ärgerlich! Glücklicherweise gibt es aber die Verbraucherzentralen, die Presse und – zum Beispiel – auch meinen Blog meinkonsumkompass.de, wo solche Fälle aufgedeckt werden. 

Katarina Schickling ist Journalistin, Dokumentarfilmerin und SPIEGEL Bestseller-Autorin. Als Ernährungs-Expertin wird sie in zahlreichen Medien – unter anderem ARD, ZDF, SWR oder Süddeutsche Zeitung – immer wieder zurate gezogen, wenn es ums Essen, umweltbewusste Lebensweise und den faktenreichen Blick hinter die Kulissen unserer Lebensmittelerzeugung geht. Katarina Schickling schreibt Wegweiser durch das Dickicht aus Ökobilanzen und Umweltmythen. Die ehemalige stellvertretende Chefredakteurin von Focus TV lebt und arbeitet in München. 

Buchinhalt: 

Beim Einkauf würden wir am liebsten alles richtig machen: Tiergerechte, klimaneutrale Lebensmittel sollen es sein, umweltfreundlich verpackt, erzeugt zu fairen Preisen und unter vertretbaren Arbeitsbedingungen. Allzu oft, spätestens aber beim hektischen Supermarktbesuch nach Feierabend, scheitern wir an unserem eigenen Nachhaltigkeitsanspruch. Denn wer blickt auf die Schnelle schon durch im Dickicht des Lebensmittelrechts, der Siegel, Label und Kennzeichnungen? Dieses Buch schlägt eine Schneise durch den Wirrwarr unklarer Verbraucherinformationen und begrifflicher Mogelpackungen. Aufgeteilt nach Produktkategorien erfährt die Kundschaft, was sie tatsächlich kauft, worauf sie achten kann und wie sie den Schummeleien der Lebensmittelhersteller ein Schnippchen schlagen kann. Ein praktisches Handbuch für bewusste Konsument*innen, die mit gutem Gewissen zugreifen wollen. 

ISBN: 978-3-442-17955-8
Preis: 12 Euro
www.penguinrandonhouse.de 

 


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