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Chronische Nervenschmerzen? Die medikamentösen & nichtmedikamentösen Therapien
Chronische Nervenschmerzen? Die medikamentösen & nichtmedikamentösen Therapien

Quelle: Unsplash / Anthony Tran

. - Gesundheit

Chronische Nervenschmerzen? Die medikamentösen & nichtmedikamentösen Therapien

Nach gesicherten Schätzungen leiden etwa 3,5 Millionen Deutsche an chronischen Nervenschmerzen. Schon leichteste Berührungen oder alltägliche Bewegungen lösen bei ihnen starke Missempfindungen bis Schmerzen aus. Lies hier die wichtigsten Fakten über die Ursachen, über die neuesten medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungsmethoden und ihre Erfolge.

Es sticht, es brennt oder kribbelt, als ob Ameisen über den Körper laufen. Oder es blitzt durch den Körper wie bei einem Stromschlag. Selbst leichte Reize wie Berührungen, Wärme oder Dehnbewegungen verursachen Schmerzen. Und das Tag für Tag. Etwa 3,5 Millionen Deutsche leiden unter diesen meist chronischen Nervenschmerzen. Und haben oft eine regelrechte Odyssee von Ärzten und Behandlungen hinter sich. Genau das macht eine erfolgreiche Behandlung auch so schwierig. Denn der Schmerztherapeut steht häufig an letzter Stelle. Aber dann ist der Schmerz meist schon chronifiziert. Das bedeutet, der Körper hat für den Schmerz eine Art Gedächtnis entwickelt. Dann reicht es nicht mehr, allein die Ursache zu beseitigen. Denn der Schmerz bleibt bestehen, weil das Gehirn permanent den verselbständigten Schmerzreizen ausgesetzt ist.

Für diese Schmerzen gibt es einen irritierenden Ursachen-Mix

Die häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen sind Rückenschmerzen. Bei etwa 30 Prozent aller dauerhaften Rückenschmerzen sind Nervenschädigungen als Auslöser beteiligt. Aber auch Kopfschmerzen, rheumatische Schmerzen, Neuropathien, die häufig durch Diabetes ausgelöst werden, und Tumorschmerzen können chronisch werden. Gelegentlich sehen Schmerztherapeuten in ihrer Praxis auch Menschen mit Phantomschmerzen. Bei all diesen Betroffenen gilt es dann, den Dauerbeschuss im Gehirn mit Hilfe von verschiedenen Medikamenten wieder zu normalisieren.

Die neuesten Methoden gegen chronische Nervenschmerzen

Zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen sind die üblichen, rezeptfreien Schmerzmittel nicht geeignet. Generell gilt: Je frühzeitiger und konsequenter die Schmerztherapie durchgeführt wird, umso erfolgreicher ist sie. Gemeinsam mit einem Schmerztherapeuten werden die medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen ausgewählt. Ziel der Therapie ist es, entweder wieder völlige Schmerzfreiheit zu erzielen oder zumindest für eine deutliche Schmerzlinderung zu sorgen, die dann auch die Lebensqualität verbessert.

Diese medikamentösen Wege werden derzeit beschritten

Antiepileptika: Sie haben sich seit langem in der Schmerztherapie bewährt, da es bei Erkrankungen häufig zu einer Über-Erregung von Nervenzellen mit übermäßiger Aussendung von Nervenimpulsen kommt. Antiepileptika stabilisieren diese Nervenzellen, um sie so daran zu hindern, ununterbrochen Signale auszusenden. Eine Substanz, die seit Jahren erfolgreich eingesetzt wird, ist Carbamazepin. Zur neueren, sehr gut verträglichen Generation dieser Substanzklasse zählen Gabapentin und Pregabalin.

Antidepressiva: Sie wurden zwar ursprünglich zur Behandlung von Depressionen entwickelt, sind heute aber auch fester Bestandteil in der Therapie neuropathischer Schmerzen. Der Grund: Sie haben auch eine schmerzlindernde Wirkung, insbesondere bei lang anhaltenden, brennenden Schmerzen. Und sie sorgen für eine so genannte Schmerzdistanzierung. Der Schmerz wird erträglicher, weil er nicht mehr als übermächtig wahrgenommen wird. Zumeist werden trizyklische Antidepressiva, wie Amitriptylin, Imipramin und Doxepin eingesetzt.

Opioide: Diese opiumähnlichen Substanzen binden an bestimmten Nervenstellen und hemmen damit die Erregbarkeit von Nervenzellen. Opioidhaltige Schmerzmittel helfen dadurch bei vielen Arten von starken und stärksten Schmerzen, zum Beispiel nach einer OP, bei der Dauerbehandlung chronischer Schmerzen oder bei Tumorschmerzen.

Neuraltherapie: Sie ist eine Alternative für Menschen, die unter einer Unverträglichkeit gegenüber den oben beschriebenen Medikamenten leiden. Bei der Neuraltherapie werden winzige Mengen eines örtlichen Betäubungsmittels (Lokalanästhetikum) unter die Haut oder an so genannte Triggerpunkte in die Muskulatur gespritzt. Nach einer Serie von etwa zehn Sitzungen sind die Patienten zumeist schmerzfrei.

Kombinationstherapie: Eine Therapie mit Antiepileptika und Antidepressiva sollte nach circa sechs bis acht Wochen überprüft werden und dann entsprechend angepasst werden (mehr Wirkstoff, weniger Wirkstoff, anderes Verhältnis der Stoffe untereinander). Weil es sich um eine chronische Erkrankung handelt, ist die medikamentöse Behandlung auch auf Dauer angelegt.

Grundsätzlich gilt bei jeder Schmerztherapie: Erfolgt die Behandlung frühzeitig, dann kann man davon ausgehen, dass in 80 Prozent der Fälle eine Schmerzfreiheit oder zumindest eine deutliche Linderung erzielt wird. Zudem gilt: Je kombinierter eine Schmerztherapie, desto erfolgreicher ist sie meist. Auch noch bei Menschen, die erst später den Weg in die Schmerzpraxis finden.

Nichtmedikamentöse Therapieverfahren bei chronischen Nervenschmerzen

Besonders erfolgreich ist meist eine Koppelung von Medikamenten und physikalischen Therapien wie Wärme- oder Kältetherapie, Physiotherapie mit Krankengymnastik oder Rückenschule, TENS-Behandlungen (elektrische Nervenstimulation) und Akupunktur. Betroffenen sollte man auch zu einer begleitenden, psychologischen Therapie raten, um Techniken zur Schmerzbewältigung und Entspannungsverfahren zu erlernen.

Denn erst, wenn der Patient den Schmerz als Teil seines Lebens erkennt und einordnet, kann er auch erfolgreich gegen ihn an-arbeiten. Der wichtigste Ratschlag ist es daher, den vorhandenen Schmerz zwar zu akzeptieren, ihn aber trotzdem zu bekämpfen und ihm nicht sein gesamtes Leben unter zu ordnen.


ist Diplom-Journalistin und hat ein Staatsexamen in Psychologie. Die alleinerziehende Mutter war viele Jahre Mitglied der Chefredaktion großer deutscher Frauenzeitschriften. Derzeit ist die überzeugte Vegetarierin, freie Autorin und findet die besten Ideen auf Spaziergängen mit ihrem Hund Quadriga.

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