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Neues Verfahren schützt Frauen vor Unfruchtbarkeit nach OP´s
Neues Verfahren schützt Frauen vor Unfruchtbarkeit nach OP´s

Quelle: Pexels

Gesundheit

Neues Verfahren schützt Frauen vor Unfruchtbarkeit nach OP´s

Schon jedes 5. Paar in Deutschland bleibt ungewollt kinderlos. Bei Frauen kann die Unfruchtbarkeit an Verklebungen nach operativen Eingriffen liegen. Ein völlig neues Verfahren mittels einer flüssigen Barriere schafft es jetzt, diese unerwünschten Verwachsungen zu verhindern.

Warum kommt es denn nach operativen Eingriffen überhaupt zu Verwachsungen?

Dazu muss man zunächst erst einmal wissen, dass jedes Jahr etwa 300.000 gynäkologische Eingriffe in Deutschland erfolgen. Der überwiegende Anteil der Operationen, nämlich 53 Prozent, erfolgt bei Frauen zwischen 30 und 49 Jahren. Doch leider kommt es bei 90 Prozent der Operationen im Bauchraum zu postoperativen Adhäsionen. Und sie können neben chronischen Unterleibsschmerzen leider auch eine Unfruchtbarkeit verursachen.

Was sind denn postoperative Adhäsionen?

Das sind unerwünschte Verwachsungen von Organ-Gewebe (z.B. im Eileiter) nach Operationen. Typische Ursachen sind so genannte Traumatisierungen. Also Beeinträchtigungen oder Verletzungen der Organmembranen durch äußere Einwirkungen. Das können u.a. Druck, Schnitte, Entzündungen, Fremdkörperreaktionen auf Nahtmaterial oder Tupfer, aber auch Gewebestörungen durch Laparoskopiegas (bei minimal-invasiven Eingriffen) sein.

Was passiert dabei im Körper?

An den traumatisierten Gewebestellen kommt es wie bei oberflächlichen Wunden zu einer Aktivierung des Blutgerinnungssystems. Dort, wo das Gewebe verletzt wurde, bildet sich ein klebriger Fibrinfilm. Er deckt zwar die verletzte Membranstelle ab, ist aber leider äußerst adhäsiv. Das bedeutet, er kann regelrecht an benachbarte Organe bzw. Organstellen andocken. Und zwar mit schwerwiegenden Folgen. Denn dieser Fibrinfilm wird vom Körper durch Kollagen ersetzt, Kapillaren sprießen ein und die „Klebestelle“ verwächst miteinander.

Warum ist das so problematisch?

Weil diese Verklebungen (Adhäsionen) die häufigste Ursache für sekundäre, also nicht angeborene Unfruchtbarkeit sind. Zudem können sie zu Darmverschlüssen oder Bauchschmerzen (Abdominalschmerzen) führen. Und bei erneuten Operationen kann es versehentlich zum Darmriss kommen. Jeder achte Eingriff ist nur deshalb notwenig, weil vorherige Eingriffe zu Organverklebungen führten.

Wie kann man denn diese Verklebungen verhindern?

Bislang wurden „feste Barrieren“ aus einer Art Folie (Seprafilm) um die Organe gewickelt. Sie lösen sich zwar nach Tagen von selbst auf, sind aber für den Operateur umständlich und bei minimal-invasiven Eingriffen unbrauchbar. Zudem können Verklebungen auch außerhalb des OP-Feldes entstehen. Bei manchen löst die Folie zudem schwere Entzündungen aus. Deshalb nutzt man jetzt verstärkt eine „flüssige Barriere“.

Wie funktioniert diese „flüssige Barriere“?

Während der Operation werden 1 bis 1 1/2 Liter einer 4%igen Icodextrin-Lösung (Adept) zugeführt. Sie fungiert wie ein „Schmierfilm“ zwischen den Organmembranen und verhindert somit ein Zusammenkleben.

Verbleibt diese Flüssigkeit im Körper?

Nur für die fünf kritischen Tage nach einer Operation. Danach wird sie vom Körper abgebaut. Denn Icodextrin ist ein Glukose-Polymer, also eine Art Stärke. Die großen Moleküle treten nicht in den Blutkreislauf ein, sondern werden über die Lymphe „entsorgt“, dann Mehrfachzucker gespalten und ausgeschieden.

Kann man bei einer OP auf den Einsatz dieser Lösung bestehen?

Für gewöhnlich entscheidet zwar der leitende Chirurg bzw. Oberarzt über den prophylaktischen Einsatz von Adept. Aber der Patient kann den Einsatz auch ausdrücklich wünschen. Um spätere Verklebungen zu vermeiden, empfiehlt sich bei gynäkologischen Eingriffen dringend diese Adhäsionsprophylaxe. In der Unifrauen-Klinik Gießen beispielsweise gehört der Schutz vor Verwachsungen bereits zum OP-Standard – das ist bislang aber nur in wenigen Krankenhäusern so und daher sollte die Patientin auf jeden Fall vor einem Eingriff danach fragen. Die Mehrkosten in Höhe von 75 Euro werden in der Regel von den Kliniken übernommen.


ist Diplom-Journalistin und hat ein Staatsexamen in Psychologie. Die alleinerziehende Mutter war viele Jahre Mitglied der Chefredaktion großer deutscher Frauenzeitschriften. Derzeit ist die überzeugte Vegetarierin, freie Autorin und findet die besten Ideen auf Spaziergängen mit ihrem Hund Quadriga.

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