Nachgefragt: Katrin Bauerfeind

Interview des Monats - Katrin Bauerfeind

Quelle: Bernd Lammel/D-foto

 

Obwohl sich  Kurt Krömer noch nicht wirklich sicher ist, ob sie nun Katrin Bauernfeind oder doch Katrin Bauerfeind heißt, stellt er sie in seiner internationalen Show im November 2008 trotzdem sehr glamourös vor: „Sie ist schön, erfolgreich, den Rest erzählt sie uns gleich.“

Women At Work: So halten wir es auch: Katrin Bauerfein ist schön, erfolgreich, und den Rest erzählt sie Ihnen gleich!

Sie haben in den letzten zehn Jahren eine echte Turbo-Karriere hingelegt: Sie setzten sich bei einem Casting im Oktober 2005 für die tägliche Internet-TV-Sendung Ehrensenf gegen etwa 20 weitere Bewerberinnen durch, die Sie dann von 2005 bis 2007 moderieren. Dafür bekamen Sie den Lead Award in der Kategorie WebFeature des Jahres, den Grimme Online Award in der Kategorie Kultur und Unterhaltung und den Publikumspreis. Da waren Sie 25 Jahre alt. Fanden Sie das angemessen oder waren Sie selbst verblüfft über diesen gigantischen Erfolg?

Katrin Bauerfeind: Ich wusste kurz vorher noch nicht mal was Internetfernsehen ist, wie die meisten, die entweder fragten was denn bitte I-N-T-E-R-N-E-T-F-E-R-N-S-E-H-E-N sein solle, mit einem leichten Ekel im Unterton, oder ob das bedeute, dass ich nackt wäre. Internet war ja wirklich noch der neue, heiße Scheiß. Bei youtube gab es nur verwackelte Homevideos und twitter und facebook war ja noch Zukunft – und das ist grade mal sieben Jahre her. Insofern war ich damals vielleicht eher überrascht, dass schon Preise erfunden wurden, mit denen man uns auszeichnen konnte. Ich hab bei Ehrensenf meine Berufung gefunden und es ist schön Preise zu bekommen, für das, was man am liebsten macht, für mich aber auch nicht zwingend notwendig, weil es auch ohne Preise das bleiben wird, was ich am liebsten mache.

Women At Work: Im Februar 2007 moderierten Sie dann schon für den Fernsehsender 3sat das Berlinale-Journal, den täglichen Festivalbericht  und hatten Auftritte in den Sendungen TV total und bei Harald Schmidt. Ihr kleiner Oettinger bleibt für uns unvergessen. Wie fühlte es sich für Sie an, bei Harald Schmidt witziger zu sein als der Meister selbst?

Katrin Bauerfeind: …economic aktitwittis…unvergessen die Rede von Günther Oettinger!

Ich muss an dieser Stelle natürlich trotzdem sagen: Ich war niemals und zu keinem Zeitpunkt lustiger als Harald Schmidt! Schon alleine vertraglich ist es mir nicht erlaubt etwas anderes zu behaupten. Aber ich kann sagen, dass es eine sensationelle und krasse Zeit beim Meister war. Ich werde nie vergessen, wie er mir vor der ersten Show sagte: „Katrin, wir machen hier alles mit einem Riesenenthusiasmus und selbst wenn wir etwas scheiße finden, dann immer noch mit Riesenenthusiasmus!“ Und wenn man den Satz verstanden hat, hat man auch den Job kapiert, schon alleine deshalb hat es sich gelohnt. Mein Traum war immer einmal bei Harald Schmidt zu sitzen, als Gast und egal wegen was und jetzt hing ich zwei Jahre lang bei ihm rum. Ich würde sagen, da kann man von einem absolut ausreichend erfüllten Traum sprechen, der dann auch getrost von der Liste gestrichen werden kann.

Women At Work: Wie sich inzwischen zeigt, legen Sie sich nicht nur mit außerordentlicher Intelligenz, einem Humor, der selbst einem Engländer oder –korrekterweise – einer Engländerin gut zu Gesicht stände und umwerfendem Charme ins Zeug, sondern auch mit vollem Körpereinsatz. So waren Sie 2008 in der Reihe 1-2-3 Moskau bei 3sat zu sehen. Die Sendung dokumentierte ein Wettrennen zwischen Ihnen und dem Sänger Henning Wehland auf dem Weg von Berlin nach Moskau. Im 2009 folgte die Fortsetzung 1-2-3 Istanbul in vier Folgen, von Ljubljana bis Istanbul. Können wir demnächst  mit Bauerfeind auch in 80 Tagen um die Welt reisen?

Katrin Bauerfeind: Also, danke. Mit Engländern wird man ja immer gerne verglichen, zumindest wenn es um Humor geht.

1-2-3 Moskau, ja. Von Berlin durch das Baltikum nach Moskau in sieben Tagen. Das waren knapp 3000 Kilometer und bedeutet quasi, dass du jede Nacht auf der Straße verbringst und durchfahren musst, wenn man wie Henning und ich tagsüber noch interessante Menschen treffen will, die einem etwas über ihr Land erzählen. Und die Bedeutung von Straße ist ja außerhalb Deutschlands und vor allem in Russland eine ganz andere, was für Löcher da noch als Straße bezeichnet werden, ist unfassbar. Diese Armut auf dem Weg nach Moskau, wo Frauen im Alter meiner Oma Suppe am Straßenrand verkaufen. Ich habe Leute gesehen, die in Bushaltestellenhäuschen scheißen und zwei Meter weiter werden Hochzeitsfotos vor einem alten Sowjetpanzer gemacht – alles im Nirgendwo. Und dann fährst du nach Moskau rein und jede Werbung in der Größe eines Briefumschlags wird mit 17 Lampen angestrahlt und ich wundere mich ernsthaft, dass noch keiner erstickt ist am Protz oder zumindest an diesem Gegensatz.

Nach Istanbul sind Henning und ich dann gemeinsam in einem alten VW Bully gefahren, drei Wochen lang. Also, Henning ist gefahren, ich saß daneben und hab geredet. Es war toll, so stelle ich mir eine gute Ehe vor. Viele haben sich vor dieser Reise über den Balkan von mir verabschiedet: „Du fährst durch Albanien, dann kommst du ja wohl nicht lebend zurück.“ Dabei kenne ich niemanden, der jemals da war oder wenigstens einen, der einen kennt der da war. Und ich hab nur nette Menschen getroffen und rein landschaftlich ist es echt ein schönes Land. Es ist irre, wie viele Vorurteile man mit Reisen hinter sich lassen kann. Dazu kommt, dass ich wahnsinnig gern die unterschiedlichsten Sachen machen und erleben will: Also ja, jederzeit um die Welt, aber ich hätte gerne viel mehr als 80 Tage.

Women At Work: Mut scheint überhaupt Ihr ständiger Begleiter zu sein, denn erstens testeten Sie am eigenen Leib,  wie gefährlich Schlafmangel sein kann,  UND sorgten im Mai 2011 mit Ihrer Moderation bei der Verleihung des 7. Henri-Nannen-Preises im Schauspielhaus Hamburg für Schlagzeilen. Sie stellten dem Gewinner in der Kategorie Reportage eine entlarvende Frage, die dazu führte, dass ihm der Preis nachträglich aberkannt wurde. Die Medien berichteten über den Skandal, aber nicht über Ihren Mut, diese Frage zu stellen. Wie war das denn damals genau?

Katrin Bauerfeind: Die nominierten Reportagen waren die ersten Artikel, die ich in der Vorbereitung gelesen habe. Und „Am Stellpult“, der Artikel, der ja erstmal auch ausgezeichnet, bevor er dann re-ausgezeichnet wurde, war heftig. Es ging um Horst Seehofer, der im Keller seines Ferienhauses eine Märklin-Eisenbahn hat. Und da soll es einen schönen Teil und auch einen „Schattenbahnhof“ geben, den er gebaut hat als er damals sein Amt verlor. Und neuerdings sollte es also so sein, dass auch Angela Merkel in Horst Seehofers Eisenbahnkeller unterwegs ist. Er hätte ein Bild von ihr, das er irgendwo ausgeschnitten hat, auf eine Plastikfigur geklebt und in eine Diesellok gesetzt, damit Angie mal nur das macht, was der Horst will. Also eine Verbindung vom Eisenbahnkeller zum Politiker Seehofer mit Formulierungen wie „der Diktator mit der Narrenkappe“. Es liest sich, als hätten sie einen Verrückten in die Staatskanzlei gelassen, der in der Politik dasselbe macht wie im Keller, nämlich Schikanepläne schmieden. Ich hab sogar wirklich gehofft, dass dieser Artikel gewinnt, weil er so krass war und ich dachte: Von dem abgesehen, dass es klingt als müsste Horst Seehofer sich schnellstmöglich mal auf eine Liege legen, wie hat es dieser Journalist geschafft nicht nur in diesen Keller zu kommen, sondern ja eigentlich in den eher dunklen Teil der Psyche von Seehofer? Und es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist Horst Seehofer wirklich verrückt oder da war ein genialer Journalist am Werk. Ich habe mich für Zweiteres entschieden und diese Frage aus Respekt vor der Leistung gestellt. Ich hatte keinerlei böse Absicht und hatte keinen Grund davon auszugehen, dass er nicht selbst im Keller war. Und weil er eben nicht da war, wie er dann auf der Bühne sagte und ein Großteil der Jury aber fand, er müsse da gewesen sein, weil es die Kategorie Reportage ist und weil es sich so liest, haben sie ihm den Preis aberkannt. Und auf die Idee wäre ich wirklich nie gekommen, weil das ja auch noch nie passiert ist in der Geschichte des Henri-Nannen-Preises.

Women At Work: Am 10. Juli 2011 startete auf ZDFkultur die 14-tägliche Sendung „Bauerfeind 28:30“, mit einer Langversion der Interviews, die sie für ihr Magazin „Bauerfeind“ führen. „28:30“ steht für die Länge der Interviews und damit der Sendung. Darf man daraus schlussfolgern, dass Ihr Interesse nur Sendern gilt, die mit Zuschauern rechnen dürfen, deren IQ über 100 liegt?

Katrin Bauerfeind: Nein, die Namen der Sendungen sind eigentlich nur einer gewissen Unkreativität geschuldet. Aber ich mag Ihren Ansatz, weil im Fernsehen ja nicht die Qualität sondern immer nur die Quantität der Zuschauer gemessen wird. Wir sollten sofort eine Quotenrevolution anzetteln. Es gab ja auch Angebote von anderen Sendern, aber aus irgendeinem Grund haben mich Sendungen, deren ausschließlicher Inhalt beispielsweise die Aussagen von Dieter Bohlen sind, nicht gereizt. Ich höre oft, dass Leute sagen: „Mit berieseln lassen ist ja in deiner Sendung auch nichts, man muss ja schon eher mitdenken“ und das ist für mich absolut ein Kompliment. Ich mag feine, charmante Sendungen, die genügend Freiheit für Anarchie lassen und in denen ich mich ein wenig austoben kann. Und diese beiden Sendungen sind dafür grade perfekt!

Women At Work: Beim ZDF liegt nicht nur der Altersdurchschnitt der Zuschauer bei 60 plus, auch einige  Moderatoren dürfen sich durchaus schon auf diesen Ehrentag freuen. Sind Sie, wie GUSE TV beim rbb, die Quoten-Jungsche?

 

Katrin Bauerfeind: Ich glaube bei 3sat war ich wirklich lange Zeit die Jüngste. Der häufigste Satz, den ich mir jahrelang angehört habe war: „Ach, du bist doch noch so jung.“ Ich möchte anmerken, dass das jetzt auch vorbei ist. Ich bin jetzt nur noch jung ohne so. Und für uns gibt es ja jetzt neue Spielplätze wie zdf.kultur und zdf.neo. Jetzt muss ich nur noch zehn Jahre warten und dann bin ich schon fast in dem Alter, in dem ich das ZDF Hauptprogramm rocken kann.

Women At Work: Könnten Sie sich vorstellen, in naher Zukunft die Letterfrau des deutschen Fernsehens zu werden? Wäre es Ihnen den Versuch wert, obwohl eine Titanin wie Anke Engelke daran gescheitert ist?

Katrin Bauerfeind: Ja!

Women At Work: Man sagt den Deutschen immer noch nach, dass Sie zum Lachen in den Keller gehen, und Ironie entweder nicht erkennen oder nur schwer ertragen. Sie werden von den Medien gerade für Ihre Ironie gefeiert. Macht Sie das stolz?

Katrin Bauerfeind: Nein, die Ironie war einfach von Anfang an da. Ich moderiere ja nach Gefühl und schon in den ersten Moderationen war immer Ironie dabei. Das scheint meine Art zu sein und ich habe mir das nie vorgenommen oder zurechtgelegt: So, heute sind wir mal ironisch! Ich bin einfach so.

Women At Work: Was raten Sie jungen Menschen wie Ihnen, die auch  so eine Karriere wie Sie hinlegen wollen? Wären Castingshows der richtige Weg?

Katrin Bauerfeind: Ich werde vielleicht bald auf geistiges Eigentum pochen müssen, aber ich verrate jetzt trotzdem, dass ich kürzlich über die Sendung „Deutschland sucht den Supermoderator“ nachgedacht habe. Das wäre dann auf jeden Fall eine Castingshow, die ich empfehlen würde.

Women At Work: Haben Sie schon einen talentierten Journalisten im Blick, den oder die Sie fördern könnten?

Katrin Bauerfeind: Noch nicht, aber die bewerben sich ja dann alle, wenn ich die Sendung mache.

Women At Work: Gibt es etwas, das Sie noch nicht gemacht haben, aber schon immer mal machen wollten?

Katrin Bauerfeind: Ich will unbedingt einmal in einem Düsenjäger fliegen. Ich stehe auf groß, mächtig und sehr schnell! Ihre Frau Seehofer.


Betty arbeitet als freie Journalistin und ist Herausgeberin im Verlag Berliner Journalisten. Im Ullstein-Verlag veröffentlichte sie drei Sachbücher zu den Themen Europa, Verbraucherrecht und der Gleichstellung allein erziehender Mütter.

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