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Väter zahlen keinen Unterhalt: Was können Mütter tun? – 8 Antworten auf die wichtigs...
Väter zahlen keinen Unterhalt: Was können Mütter tun? - 8 Antworten auf die wichtigsten Fragen

Quelle: Unsplash

. - Familie

Väter zahlen keinen Unterhalt: Was können Mütter tun? – 8 Antworten auf die wichtigsten Fragen

Etwa ein Fünftel aller Eltern sind alleinerziehend – aber fast 90 Prozent der alleinerziehenden Mütter bekommen keinen, zu wenig oder nur unregelmäßig Unterhalt vom Vater des Kindes. Viele warten seit Jahren vergeblich auf finanzielle Unterstützung der Kindsväter und das in einer Situation, in der es für die meisten Mütter schwierig genug ist, finanziell über die Runden zu kommen und den Alltag zu bewältigen. Natürlich gibt es tatsächlich Väter, die keinen Unterhalt zahlen können, aber das ist nicht die Mehrheit. Wir beantworten in diesem Beitrag die 8 wichtigsten Fragen, wann Väter Unterhalt zahlen müssen und wann nicht – und wir sagen, was Mütter tun können, um trotzdem Unterhalt bzw. Unterstützung vom Staat zu erhalten. 

Wie viel Unterhalt müssen Väter zahlen?

Auf der Grundlage der Düsseldorfer Tabelle, die in Deutschland als anerkannte Richtlinie gilt, müssen für Unterhaltszahlungen geleistet werden. Basis für die Unterhalts-Berechnungen ist das Nettoeinkommen des Unterhaltsverpflichteten sowie das Alter des Kindes. Für Minderjährige und unverheirateten Kinder bis zum 21. Lebensjahr, die noch schulpflichtig sind, gibt es einen Mindest-Betrag, der gezahlt werden sollte. Folgende Regelsätze der Düsseldorfer Tabelle gelten seit dem 1. Januar 2021: 

  • Kinder bis 5 Jahre mindestens 396 Euro pro Monat  
  • Kinder von 6- bis 11 Jahren mindestens 455 Euro pro Monat  
  • Kinder von 12- bis 17 Jahren mindestens 533 Euro pro Monat 
  • Kinder ab 18 Jahren mindestens 569 Euro pro Monat

Wann müssen Väter keinen Unterhalt zahlen?

Väter, die nachweisen können, dass sie ihnen nur 1.160 Euro (Selbstbehalt) zum Leben bleiben, müssen keinen Unterhalt zahlen. Wer Für Geringverdiener, die Unterstützungen vom Jobcentererhalten, gilt ein Selbstbehalt in Höhe von 960 Euro und wer weniger als diesen Betrag zur Verfügung hat, muss ebenfalls keinen Unterhalt an die Mutter zahlen. 

Was tun, wenn der Vater den Unterhalt verweigert?

Wenn Väter keinen Unterhalt zahlen, obwohl sie zahlungsfähig sind, können sich Mütter im ersten Schritt an das Jugendamt wenden und dort die Höhe des Unterhalts festlegen lassen. Dieses Verfahren nennt man Unterhaltstitel und er wird vom Jugendamt oder vom Familiengericht festgelegt. Mütter können zwischen einem statischen oder dynamischen Unterhaltstitel wählen. Der Statische wird bis zu einer möglichen Änderung gezahlt, der dynamischen Unterhaltstitel erhöht sich mit dem Alter des Kindes. 

Zahlt der Vater trotz Unterhaltstitel nicht, kann die Mutter im zweiten Schritt Klage einreichen. Allerdings sind Unterhaltsklage immer auch mit Kosten verbunden, für die die Mutter in Vorleistung gehen muss. 

Wo wird eine Unterhaltsklage eingereicht?

Eine Unterhaltsklage wird am Amtsgericht oder Familiengericht am Wohnort des Vaters eingereicht. Er bekommt die Gelegenheit, sich   innerhalb einer vom Gericht festgesetzten Frist zur Klage äußern. Die Mutter und der Vater müssen einen Anwalt einschalten und es werden Verfahrensgebühren, Termingebühren und Honorare für die Anwälte fällig. 

Wer hilft, wenn der Vater keinen Unterhalt zahlt?

Es kann passieren, dass die Mutter, bis über die Klage entschieden ist, immer noch keinen Unterhalt bekommt – dann kann der Staat einspringen und der Mutter für das Kind einen Unterhaltsvorschuss zahlen. 

Der Staat holt sich das Geld vom unterhaltspflichtigen Vater zurück – sofern er zahlungs- und leistungsfähig ist.  

Wie hoch ist der Unterhaltsvorschuss vom Staat?

Der maximale Unterhaltsvorschuss wurde am 1. Januar 2022 angepasst, er orientiert sich am  Mindestunterhalt (§ 1612 a BGB) und er wird mit dem monatlichen Kindergeld verrechnet. Der Staat zahlt einen Vorschluss für: 

  • Kinder bis 6 Jahren erhalten bis zu 177 Euro pro Monat  
  • Kinder von 7- bis 12 Jahren bis zu 236 Euro pro Monat 
  • Kinder von 12- bis 17 Jahren 314 Euro pro Monat 

Welche Unterlagen sind für den Unterhaltsvorschuss nötig?

Dem Jugendamt sind mit dem schriftlichen Antrag auf Unterhaltsvorschuss folgende Unterlagen einzureichen.  

  • Kopie Personalausweises/oder Pass  
  • Geburtsurkunde des Kindes in Kopie 
  • Niederlassungserlaubnis bzw. Aufenthaltserlaubnis bei ausländischen Bürgern 
  • Vaterschaftsanerkennung 
  • Nachweis über Unterhaltszahlungen 
  • Scheidungsurteil  
  • Gehaltsnachweise der letzten 12 Monate (bei Kindern unter 12 Jahren ist das Einkommen der Alleinerziehenden irrelevant.) 
  • Unterhaltstitel im Original – Beschluss, Urkunde, Vergleich

Hinweise:  

Die Antragsformulare können beim Jugendamt online abgerufen und ausgefüllt werden. 

Der Unterhaltsvorschuss wird mit anderen Sozialleistungen verrechnet! 

Wann wird der Unterhaltsvorschuss gezahlt?

Der Unterhaltsvorschusses wird monatlich immer im Voraus für den Anspruchsmonat ausgezahlt. Das heißt, die Zahlungen durch die Jugendämter werden bereits Ende des vorherigen Monats für den Anspruchsmonat überweisen. Der Vorschuss sollte spätestens am ersten Werktag des Anspruchsmonats auf dem Konto der Unterhaltsberechtigten eingehen. 


Betty arbeitet als freie Journalistin und ist Herausgeberin im Verlag Berliner Journalisten. Im Ullstein-Verlag veröffentlichte sie drei Sachbücher zu den Themen Europa, Verbraucherrecht und der Gleichstellung allein erziehender Mütter.

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