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Umwege bringen dich auch zu dem, was dich erfüllt

Umwege bringen dich auch zu dem, was dich erfüllt

Umwege bringen dich auch zu dem, was dich erfüllt

Quelle: Matheus Bertelli / Pexels

 

Bereits in jugendlichen Jahren wusste ich, was mich glücklich macht. Nur mir fehlte der Mut, denn in meiner Familie war noch niemand diesen Weg gegangen. Schreiben!

Erst nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte und glaubte, in einem öffentlichen Anstellungsverhältnis angekommen zu sein, stellte ich fest, dass mein Streben nach Sicherheit mich nicht dorthin gebracht hatte, was ich wirklich wollte.

Nach dem Abitur studierte ich Wirtschaftsgeographie. Ich wollte in die Fußstapfen meiner Eltern treten und auf diesem verlässlichen Terrain nahm ich eine kommunale Stelle in der Stadtplanung an. Anfangs war ich sehr motiviert und glücklich. Ich arbeitete mich schnell ein und es fühlte sich gut an, kontinuierlich eigenes Geld zu verdienen. Zu meiner Verwunderung aber dauerte das Glücksgefühl nicht sehr lange an. Die Möglichkeiten, meine eigenen Vorstellungen einzubringen, waren begrenzter als gedacht, und ich wurde mit dem, was ich täglich tat, immer unzufriedener.

Tag für Tag bemühte ich mich, mein Empfinden nicht zu sehr zu bewerten. Ich versuchte meine Sichtweise zu ändern, wollte durchhalten. Vielleicht war es nur ein Tief, in dem ich steckte? Auf keinen Fall wollte und konnte ich den Beruf, für den ich zehn Semester studiert hatte, wieder kündigen. Denn was kommt danach?

Nicht glücklich zu sein, raubte mir die Kraft.

Beständig bahnten sich mehr Zweifel den Weg durch meinen Kopf. Hatte ich mir einen Beruf ausgesucht der gar nicht zu mir passte? Ohne Antworten zu finden, zwang ich mich weiter durchzuhalten. Und das lähmte mich noch mehr in einer Entscheidung … bis mein erstes Kind mein Leben auf den Kopf stellte. So wie sich mein Körper Monat um Monat veränderte, wandelte sich etwas in mir. Ich begann mit Yoga, um diese Veränderung sanft zu begleiten und dabei wurde mir klar, dass ich in Bezug auf meine Arbeit unmöglich so weitermachen konnte.

Mit dieser Entscheidung und mit Unterstützung von Yoga, war etwas in mir erwacht. Etwas, das lange in mir geschlummert hatte und das ich zuletzt vor dem Studium getan hatte: Ich begann wieder zu schreiben.

Zuerst entstanden kurze Geschichten für mein Kind. Nach der Geburt rief ich den lokalen Familienratgeber „Baby Kind Familie“ ins Leben, für den ich Sachbeiträge verfasste. Zusammen mit der Agentur meines Mannes gründeten wir in Leipzig einen Verlag. Ich sammelte mehr und mehr Erfahrungen im Verlagswesen und veröffentlichte wenig später mein erstes Kinderbuch. Ich erlebte Höhen und Tiefen und bekam dennoch eine Ahnung davon, was ich beim Studium und dem darauffolgenden Beruf vermisst hatte – warum ich unzufrieden war.

Und doch war ich noch nicht angekommen. Es war nur ein weiterer Abzweig, der mich vom Umweg des Studiums zu dem „Woandershin“ führen sollte. Das Schreiben und die tägliche Yogapraxis öffneten nach und nach eine weitere Tür in mir. Meine Träume begannen sich zu verändern und ich schrieb sie (wieder) auf. Das hatte ich zuletzt vor zehn Jahren getan. Nach einigen Monaten erreichte mich ein Traum, der mein Leben noch einmal veränderte.

In Kindheit und Jugend wissen wir besser was uns glücklich macht

Meine Traumbilder aufzuschreiben, war ein wohltuender Zwang, dem ich mich nicht entziehen konnte. Es entstand eine Geschichte über die keltische Anderswelt und über zwei Jahre hinweg kamen immer neue Szenen hinzu. In dieser Zeit als Mutter und mit den Aufgaben, die der Verlag an mich stellte, schrieb ich meist abends oder nachts. Dabei stellte ich fest, dass mich diese Art des Schreibens erfüllte. Es war mehr als glücklich sein. Es schenkte mir Kraft. Ich tat etwas aus mir selbst heraus. Diese Erfahrung war nicht neu. Bereits in meiner Jugend hatte ich beim Schreiben tiefe Freude empfunden und die Faszination über die nordischen Mythen hatten meine Geschichten der „Anderswelt“ geprägt.

Deine Umwege im Leben lassen dich immer etwas erkennen

Eines Tages lag das ausgedruckte Manuskript vor mir. Zuerst las es meine Schwester. Nachdem sie mir ein Lächeln geschenkt hatte, wollte ich wissen, was andere Leser davon hielten. Mein Weg brachte mich zu einer Lektorin, durch die ich stilistisch viel lernte und drei Monate später war das Manuskript druckreif.

Der Gedanke den Roman zu veröffentlichen, fühlte sich gut an. Doch ich hatte eine Bedingung: Ich wollte das Buchprojekt selbst in die Hand nehmen, mich selbst um die Produktion und den Vertrieb kümmern. Meine Geschichte sollte bis zum Schluss von mir begleitet werden. Ich brachte eigene Ideen zum Satz ein, arbeitete intensiv mit dem Illustrator zusammen und koordinierte den Druck. Ich lernte Marketingstrategien, hielt Lesungen und begann eng mit dem Buchhandel zusammenzuarbeiten. Dann baute ich ein Lesernetzwerk auf. Neun Monate später erhielt unser Verlag den Blogg den Buch Award „best Independent Publisher“ und ich damit den Debütpreis. Danach widmete ich meine Zeit vorrangig dem Schreiben.

Seither möchte ich die Leser mit meinen Romanen zum Nachdenken anregen. Durch das Genre der Phantastik versuche ich bisher die Grenzen der physischen Welt zu durchbrechen, um mich den Sinnfragen des Lebens zu stellen. Neben dem Bild der „Anderswelt“, das ein anderes Bewusstsein versinnbildlicht, nutze ich als Inspiration die Worte der keltischen Mythen, den alten Glauben und auch meine Erfahrungen als ausgebildete Yogalehrerin. So erzählen meine Geschichten von Achtsamkeit und der Suche nach dem, was sich im Unsichtbaren verbirgt – das, was uns das Leben tiefer spüren lässt.

Es gibt immer die Möglichkeit für eine Veränderung. Jederzeit. Du musst es nur wollen.

Mein Umweg hat mich gelehrt, dass ich nur glücklich sein kann, wenn ich aus mir selbst heraus bewusst handle. Darin liegt für mich eine große Kraft, die mir zugleich mehr Vertrauen ins Leben schenkt und mir mehr Bewusstsein bringt. Den vermeintlich abgesicherten Pfad meiner Eltern zu betreten, erfüllte mich nicht. All die Jahre hatte ich oft das Gefühl, immer nur auf das zu reagieren, was durch die Erwartungen meiner Eltern oder dem Studium und später durch den Beruf auf mich einströmte.

Das Schreiben zeigt mir heute auch Höhen und Tiefen. Es gibt Tage, an denen das Schreiben nicht so fließt, besonders, wenn die Verlagsarbeit schwer ist. Doch ich kann viel besser mit diesen schwierigen Situationen umgehen, denn ich habe die Energie, diese zu meistern. Und diese Kraft kommt aus meinem Inneren, weil ich gefunden habe, was mich wirklich erfüllt.

Auf dem Pfad des Lebens ist kein Weg verfehlt. Umwege lassen dich etwas über dich selbst erfahren.

Seit zwei Jahren unterrichte ich Yoga und in diesem Jahr veröffentlichte ich meinen vierten Roman. Zudem traute ich mich, meine eigenen Erfahrungen zur Buchproduktion auf andere Autoren zu übertragen. Crissy Catella veröffentlichte in diesem Jahr ihren Debütroman „Das Vermächtnis der Arassis“. Auch sie schrieb bereits als Jugendliche und engagiert sich heute in der Leseförderung. Das Verlagsprogramm des Imprints fehu spiegelt unser beider Faszination über die Kraft der Mythen wider.


Amanda Kochs Debütroman "Die Prophezeiung" erschien im fehu Imprint des familia Verlages als erstes Buch der Trilogie "Die Wächter von Avalon". In all ihren Romanen, Kinderbüchern und Erzählungen zeigt sie, wie wichtig es ist, in Achtsamkeit und Bewusstsein zu leben, um sich den Sinnfragen des Lebens zu stellen. In diesem Jahr erschien ihr vierter Roman "Ildathach. Jenseits des Vergessens". Es ist ein Roman, der mit der Geschichte einer jungen Frau zeigt, was wirklich wichtig ist im Leben und den Leser auf der Reise zu sich selbst begleiten kann. Amanda Koch unterrichtet Yoga, ist verheiratet und hat drei Kinder. Website | Facebook | Instagram

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