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Tipps, wie du Home Office und Kinder unter einen H...

Tipps, wie du Home Office und Kinder unter einen Hut bekommst

Tipps, wie du Home Office und Kinder unter einen Hut bekommst

Quelle: Caleb Woods / Unsplash

 
Tipps, wie du Home Office und Kinder unter einen Hut bekommst

Eine Mutter von drei Kindern berichtet, wie ihr Homeoffice als selbstständige Journalistin und Redakteurin von Print-Zeitschriften funktioniert.

Vor einiger Zeit war ich davon überzeugt, ich muss alles unter einen Hut bringen. Ich muss mich perfekt organisieren, planen, jedes Zeitfenster optimal ausnutzen. Als wäre das meine Hauptaufgabe.

Die Vereinbarkeit von 25 bis 30 Wochenstunden im Job und meinen drei Kindern– dachte ich – kann funktionieren, wenn ich alles perfekt organisiere und jede Lücke ausfülle und jede Gelegenheit für mich zu nutzen weiß.

Mich perfekt zu organisieren, habe ich zu meiner Aufgabe gemacht! Dabei bin ich gescheitert, denn ich wurde immer gestresster, immer nervöser, aus Angst, den Herausforderungen nicht genügen zu können. Ja, ich hatte Angst, Aufträge als selbstständige Journalistin nicht rechtzeitig liefern zu können. Hinzu kam die Sorge, meinen Kindern bei all den beruflichen Aufgaben keine gute Mutter sein zu können. Ich fürchtete zu versagen. Nicht die Mutter sein zu können, die ich mir immer vorgestellt habe zu sein: Eine lustige, die viel lacht und Zeit hat für ihre Kinder. Die auf dem Fußboden im Kinderzimmer spielt und auf dem Trampolin hüpft. Die nicht immer alles genau nimmt und bei der die Kinder trotzdem wissen, woran sie sind.

All das scheint in der letzten Zeit, in der ich sehr viel zuhause arbeite, unter die Räder gekommen zu sein. Falsch daran ist weder die an sich familienfreundliche Idee vom Homeoffice, noch die Absicht, sich gut zu organisieren.

Was bedeutet die Organisation des Homeoffice innerhalb der Familie?

Klar schaffe ich einiges, wenn ein bis drei Kinder anwesend sind, z.B. Hausarbeit, schnell eine E-Mail schreiben oder durch Social Media klicken. MEINE EIGENTLICHE ARBEIT ABER IST SCHREIBEN. Und schreiben – ob bloggen, Redakteursarbeit oder Fachartikel – gelingt nur mit Ruhe. Das gelingt mir nicht, wenn ich weiß, dass in einer Stunde ein Handwerker kommt oder ich meinen Mann zum Zug bringen muss. Ich kann mich auf meine Arbeit nur gedanklich einlassen, wenn ich weiß, heute steht nichts an, außer meine Zeiteinteilung fürs Schreiben im Homeoffice.

Abends kann ich meistens auch nicht gut schreiben – fällt also aus. Ich bin nur effizient und produktiv, wenn ich mich frühmorgens ausgeschlafen an die Arbeit mache. Also muss ich alles so einrichten, dass ich diese Bedingungen für meine Texte bekomme. Am Mittwoch bleiben die Kinder länger in der Schule, und da versuche ich soviel wie möglich zu schaffen.

Meine drei Grundschulkinder gehen jetzt nur noch einmal in der Woche bis 16 Uhr in die schulische Nachmittagsbetreuung. Da sie über Wochen jeden Morgen voller Sorge fragten, ob sie heute wieder lange in der Schule bleiben müssen, haben wir das auf einen Tag reduziert.

Es ist für mich stressiger, dauernd diese Diskussionen zu führen, als diese paar Stunden mehr für mich zum Schreiben zu haben. Dafür haben wir abgemacht, dass sie in Zukunft öfter von der Schule zu Fuß nach Hause gehen, obwohl der Weg mit 1,7 km nicht gerade kurz ist. Wenn ich mit den Kindern gehe, brauchen sie etwa 25 Minuten. Gehen die Kinder alleine oder mit ihren Freunden, brauchen sie NIEMALS unter 40 Minuten, eher eine Stunde. Wenn sie trödeln dauert es noch länger. Diese Extra-Zeit ist bei mir als wertvoller Puffer einkalkuliert. In dieser Zeit koche ich.

Was auch an diesem selbst bestimmten Nachhauseweg der Kinder gut ist: Sie waren draußen, haben Freunde gesehen und müssen von mir nachmittags nicht mehr „Spiel gedatet“ werden, an die frische Luft gebracht werden. So gerne ich nämlich mit meinen Kindern Zeit verbringe, so sehr fehlt sie mir, mich um Haus und Garten zu kümmern. Da ich vormittags ausschließlich Büro mache, bleibt mir für die Nachmittage die Hausarbeit bzw. alles andere von Garten über Einkaufen und soziale Kontakte pflegen.

Familienzeit schaffen

Und wo bleibt da die Familie? Und wo bleiben da die Bedürfnisse des Einzelnen? Wenn ich auch noch Sekretärin bin und ein Taxiunternehmer sein muss, um die Termine dreier Kinder zu verwalten, kann ich mein Homeoffice wegen Unrentabilität schließen. In unserer Familie gibt es aus diesem Grunde jetzt wenig individuelles Freizeitprogramm. Nachdem letztes Jahr jedes Kind etwas eigenes gemacht hat und mir klar wurde, dass es immer komplizierter wird, alles unter einen Hut zu bringen, haben wir versucht, gemeinsame Nenner zu finden. Wir haben uns die Frage gestellt: Was macht allen Spaß? Natürlich darf die Tochter flöten und der Große trompeten.

Dennoch: Anstelle einen Sportaktivität für jeden, gehen wir im Winter alle gemeinsam Ski fahren und im Sommer auf den Ponyhof oder Wandern. Die Ausflüge haben einen großen Vorteil: Wir verbringen Zeit zusammen. Wenn wir uns dauernd nur die Klinke in die Hand geben, weil der eine vom Arbeiten nach Hause kommt und der andere gerade in eine Dienstreise startet, haben wir kein Familienleben.

Vereinbarkeit und berufliche Verwirklichung darf nicht heißen, dass meine Familie und die Zeit, die wir zusammen haben, auf der Strecke bleibt.

Wenn ich wirklich etwas will

Schon mal was gehört vom Willen, der Berge versetzt? Darum geht es bei der Kunst von zuhause zu arbeiten. Ich schaffe das jetzt seit fünf Jahren, jedes Jahr effektiver. Was anfangs spontan und ungeordnet geschah, ist heute organisiert in Zeit und Raum.

Die wichtigste Zutat ist der Wille. Wenn ich wirklich will, dass etwas klappt, klappt es auch. Schon mal diese Erfahrung gemacht?

Ich habe das ganz deutlich beim Abstillen gespürt. Während es mir zuerst ein Rätsel war, wie ich diese innige Mutter-Kind-Beziehung auflösen könnte, klappte es ab dem Zeitpunkt als ICH wirklich das Stillen beenden wollte, weil ich wieder schwanger war.

Genau diese Bestimmtheit im Wollen ist mein Geheimrezept für das Homeoffice. Den Kindern erkläre ich immer wieder, was ich tue und warum ich es tun muss. Gerade kleine Kinder verstehen nämlich nicht, warum Erwachsene ständig in einen leuchtenden Kasten starren. Sie bemerken nur, dass der Kasten ihnen die Aufmerksamkeit der Mutter oder des Vaters komplett entzieht – ähnlich wie beim Telefonieren.

Wenn die Kinder wieder und wieder erleben, dass die Mama jeden Tag am Computer sitzt, akzeptieren sie das Unweigerliche früher oder später. Es braucht schon ein wenig Geduld, um das warum immer wieder zu erklären.

Wenn die Kinder einfach nicht aufhören zu nerven…

Es gibt Tage, da komme ich mit meiner Arbeit nicht voran. Dann lasse ich es entweder ganz oder finde eine Lösung. Die Kinder dürfen ein Hörspiel mehr oder länger fernsehen, wenn ich unbedingt einen Text fertigmachen muss. Dafür bekommen sie anschließend die ungeteilte Aufmerksamkeit der Mama.

Wenn ich am Nachmittag arbeiten muss oder eines der Kinder am Vormittag von der Schule zuhause ist, weil Ferien sind, ist das Chaos oft perfekt: Dann funktioniert der Ablauf so: Ich gehe zuerst mit den Kindern in ihre Zimmer. Dort bleibe ich eine ganze Weile, um zu spielen und nebenbei aufzuräumen. Wenn die Kinder dann eine Tätigkeit begonnen haben oder gemeinsam etwas spielen, kann ich ins Büro gehen, denn sie haben die Mama bald vergessen.

Wenn sich ein Kind langweilt, suchen wir meistens eine ruhige Beschäftigung für das Kind. Es kann dann zum Beispiel in meiner Nähe malen, puzzeln oder knobeln.

Je bestimmter und selbstsicherer ich bin, desto leichter akzeptieren die Kinder eine Situation – und größere Kinder öffnen sich auch mehr und mehr Argumenten. Es leichtet ihnen ein, dass die Mama besser in ihrem Büro zuhause arbeitet, als für eine Woche auf Dienstreise zu sein. Diese Zugänglichkeit für logische Argumente hat bei meinen Kindern im Alter von fünf Jahren stark zugenommen.

Mami rocks sucht Deine persönliche Geschichte zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf:

Unter der Rubrik „Work Life“ stellen wir Frauen und gerne auch mal einen Mann vor. Wir wollen für alle Sprachrohr sein, die irgendwo in der Welt ihre Erlebnisse zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus der Vergangenheit oder von ihrer Situation im Hier und Jetzt erzählen wollen. Wir sind gespannt auf vielfältige Lösungen, bunte Porträts und alles, was zur Sprache kommen mag…

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Das Lifestyle-Blogmagazin Mami rocks ist international, interessant und informativ. Wir wollen unsere Erfahrung mit euch teilen, dass wir alle die tollsten Mütter sein können, wenn wir entspannt und ausgeglichen sind! Das klappt am besten, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse über denen der Kinder und der Familie nicht vergessen. Hobbys, Leidenschaften, Reisen, Entspannen, aber auch Erfüllung im Beruf geben uns Strahlkraft. Website

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